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Sosnowski Bärenklau (Heracleum sosnowskyi)

Aktualisiert am: 22.02.2024
EU-Code:

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten

Der Sosnowskyi Bärenklau ist eine zwei- bis mehrjährige krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 100-300 cm erreicht. Sie besitzt einen gefurchten, hohlen Stängel, der spärlich behaart ist und purpurne Flecken aufweist ([author]Nehring & Skowronek[/author] 2023). Die gezähnten Blätter sind wechselständig, gestielt und an der Unterseite leicht behaart, wohingegen die Oberseite kahl ist. Die unteren Blätter sind in drei Segmente unterteilt, die in ovale, kurz und spitz zulaufende Teile gegliedert sind ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010). Die Blattränder haben kurze, abgerundete Zähne. Die weißen – bisweilen auch violetten – Blüten sind bis zu 5 cm groß und in leicht konvexen Doppeldolden angeordnet. Es sind etwa 30-75 kurz behaarte Doldenstrahlen vorhanden ([author]Niehlsen[/author] et al., 2005). Die äußeren Blütenblätter sind strahlenförmig angeordnet und 9-10mm lang ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010). Die Blütezeit ist im Sommer von Juni bis August. ([author]Nehring & Skowronek[/author] 2023) Nach der Blüte stirbt [i]H. sosnowskyi[/i] (wie auch [i]H. mantegazzianum[/i]) ab ([author]Nielsen[/author] et al. 2005).

Die Früchte sind eiförmig bis oval und typischerweise 8-10 mm, selten bis zu 15 mm lang und im unreifen Zustand dicht behaart. Im reifen Zustand sind die Fruchtflügel mit Stacheln besetzt, die auf kleinen kugeligen bis eiförmigen Verdickungen aufsitzen. Die Früchte sind mit auffälligen Ölkanälen bestückt, die nicht bis zur Fruchtbasis heranreichen ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010).

Die Unterscheidung von anderen Bärenklau-Arten ist schwierig: Oft handelt es sich bei vermeintlichen Funden um den gebietsfremden Riesenbärenklau ([i]H. mantegazzianum[/i]), der oft noch größer ist und im Gegensatz zu H. sosnowskyi stärker geteilte Blätter besitzt, deren Enden spitzer zulaufen ([author]Nehring & Skowronek[/author] 2023). Der Stängel des Riesenbärenklau [i]H. mantegazzianum[/i] ist oben zottig behaart und unten grob gefurcht mit mehr oder weniger starker Behaarung. Der Stängel des Sosnowskyi Bärenklau ist durchgängig nur spärlich behaart ([author]Niehlsen[/author] et al. 2005).

Der persische Bärenklau [i]H. persicum[/i] ist kleiner mit mehreren, 1,5-2 cm dicken und oft violetten Stängeln und einer hauptsächlich flachen Dolde ([author]EPPO [/author]2009). Er ist von den beiden anderen Bärenklau-Arten am deutlichen Anisgeruch der ganzen Pflanze zu unterscheiden

Die Echte Engelwurz ([i]Angelica archangelica[/i]) und die Wald-Engelwurz ([i]Angelica sylvestris[/i]) können aufgrund ihrer Größe von mehr als 2 m, dem purpurnen Stängel und des großen Blütenstands mit [i]H. sosnowskyi [/i]und [i]H. mantegazzianum[/i] verwechselt werden ([author]Nielsen[/author] et al. 2005).

Biologie

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, wobei auf [i]H. sosnowskyi [/i]in einigen Untersuchungsgebieten weniger Bestäuberinsekten gefunden wurden als auf anderen Doldenblütlern. Ein Grund hierfür könnte die rezente, relativ schlagartige Ausbreitung der Art sein ([author]Ustinova, Savina & Lysenkov[/author] 2017). Die Art wird hauptsächlich von Käfern, Zwei- und Hautflüglern besucht ([author]EPPO[/author] 2009).

Die Ausbreitung ist vergleichbar mit der von [i]H. mantegazzianum[/i]. Da sich Populationen oft entlang von Flüssen und Bächen befinden, können die Samen über große Distanzen und in beachtlichen Mengen im Wasser transportiert werden. Dies ist unter anderem bei extremen Naturereignissen wie etwa Überflutungen relevant. Wind ist ein weiterer Ausbreitungsvektor. Im kontinentalen Klima des Verbreitungsgebiets wird dieser umso effizienter, wenn die Bodenoberfläche im Winter gefroren oder schneebedeckt ist ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010). Die Reproduktion findet nur über Samen statt – von diesen kann ein Individuum 10-20.000 Samen produzieren. Die Samen keimen im Vorfrühling ([author]Koldasbayeva[/author] et al. 2022). Die Art blüht zwei bis vier Jahre nach der Keimung der Samen ([author]EPPO[/author] 2020).

Die Samen des Sosnowskyi Bärenklaus werden außerdem durch menschliche Aktivität verbreitet. Insbesondere Straßen sind hier nennenswerte Ausbreitungsvektoren. Weiterhin können die Samen durch Verbringung von Erde sowie angeheftet an Tierfell, unter Anderem von Nutztieren wie Schafen und Rindern, transportiert werden ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010).

Herkunft und Einwanderungsweg

Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom östlichen und zentralen Kaukasus Eurasiens bis in den südlichen Kaukasus sowie die nordöstliche Türkei ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010).

Die Pflanze ist aktuell im europäischen Teil Russlands, in der Ukraine und in den baltischen Staaten etabliert ([author]Arepieva, Arepiev & Kazakov [/author]2021) und wird dort auch als invasiv eingestuft. ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010). In Dänemark wurden ebenfalls seltene Vorkommen verzeichnet ([author]Nobanis [/author]2016).

Sie wurde als Zierpflanze für Botanische Gärten nach Europa eingeführt, ist im Pflanzenhandel aber seit der Listung auf der Unionsliste nicht mehr erhältlich.

Im 20. Jahrhundert wurde die Pflanze zu einer beliebten Kulturpflanze in der Landwirtschaft in Nordwestrussland, da sie eine hohe Biomasse hat und in kalten Klimazonen leben und sich entwickeln kann. Ab den 1940ern wurde sie in den baltischen Staaten, in Weißrussland und der Ukraine sowie der ehemaligen DDR eingeführt ([author]Nielsen [/author]et al. 2005). Bald darauf wurde ihr landwirtschaftlicher Anbau eingestellt, da der Bärenklau den Geschmack von Milch und Fleisch der mit ihm gefütterten Tiere beeinflusste.

Lebensraum

Der Sosnowskyi Bärenklau ist vor allem in anthropogen geprägten Lebensräumen und urbanen Gebieten, aber auch in naturnahem Grünland und in Uferzonen aufzufinden ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010). In menschennahen Lebensräumen werden landwirtschaftliche Flächen, Störflächen und Straßenränder bevorzugt, vor allem in Gebieten, die von Abwanderung geprägt sind ([author]Arepieva, Arepiev & Kazakov[/author] 2021).

In natürlichen Lebensräumen bildet H. sosnowskyi dichte Bestände, die stark in die einheimischen Pflanzengemeinschaften eindringen ([author]Kabuce & Priede[/author] 2010). In Wäldern kommt der Bärenklau vor allem an den Waldrändern vor und bildet dort kleine Gruppen von vegetativen Rosetten ([author]Arepieva, Arepiev & Kazakov[/author] 2021).

Der Sosnowskyi Bärenklau ist eine Lichtpflanze, die insbesondere am Anfang ihres Lebenszyklus empfindlich auf Schatten reagiert ([author]Kabuce & Priede [/author]2010). Sie bevorzugt ein gemäßigtes Klima mit warmen, feuchten Sommern und kalten Wintern und ist vermutlich nicht dürreresistent. Sie ist vor allem auf neutralen, nährstoffreichen Böden zu finden. Die zunehmende Eutrophierung der Umwelt könnte die Ausbreitung daher begünstigen ([author]Koldasbayeva[/author] 2022).

Verbreitung in Nordrhein-Westfalen

In Deutschland sind bislang nur Einzelfunde des [title]H. Sosnowskyi [/title]gemeldet worden. Der Erstnachweis wurde 2020 in Schleswig-Holstein erbracht. In Nordrhein-Westfalen ist die Art bislang noch nicht nachgewiesen worden ([author]Nehring & Skowronek[/author] 2023).

Aktuell wird keine Förderung der Art durch die Auswirkungen des Klimawandels vermutet. Allerdings könnten sich geeignete Lebensräume in höhere Breitengrade verschieben ([author]Koldasbayeva[/author] et al. 2022).