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Chinesischer Muntjak (Muntiacus reevesi)

Syn.: Cervus reevesi, Cervulus bridgemani, C. micrurus, C. sclateri, C. sinensis

Kurzbeschreibung

angelegt am: 18.09.2019

Aussehen und Verwechselungsmöglichkeiten

Der Chinesische Muntjak gehört zu der Familie der Hirsche (Cervidae) und ist von gedrungener, kurzbeiniger und rundrückiger Gestalt. Mit einer Schulterhöhe von 45 – 50 cm, einer Kopf-Rumpf-Länge von 70 – 80 cm und einer Schwanzlänge von 12 – 13 cm gilt er als kleinster Vertreter aus der Gattung der Muntjaks. Die Art ist damit deutlich kleiner als unser einheimisches Reh (Capreolus capreolus), welches eine Schulterhöhe von 54 – 84 cm und eine Kopf-Rumpf-Länge von 93 – 140 cm misst. Böcke des Chinesischen Muntjaks erreichen ein Gewicht von 14 – 16 kg, Ricken ein Gewicht von 12 – 13 kg. Die Tiere besitzen ein kurzes glattes Fell, welches im Sommer rostbraun und im Winter graubraun ist. Unterseits sind die Tiere von hellerer Färbung. Der Schwanz ist unterseits weiß gefärbt wie auch das vom hängenden Schwanz bedeckte Hinterteil. Die Kitze haben ein geflecktes Jugendkleid. Die Böcke verfügen über lange behaarte Rosenstöcke auf denen ein kurzes Spießgeweih oder ein gering entwickeltes Gabelgeweih sitzt, welches jährlich abgeworfen wird. Zudem sind die Eckzähne des Oberkiefers bei den Böcken hauerartig verlängert, so dass diese aus dem Maul herausragen. Die Stirn der Tiere ist schwarz gezeichnet, wobei bei den Böcken ein V-förmiges Muster zu erkennen ist. 
Der Chinesische Muntjak ähnelt dem größeren einheimischen Reh (Capreolus capreolus). Die Arten sind jedoch vor allem anhand der Gestalt gut voneinander zu unterscheiden. Das Reh verfügt über einen geraden Rücken und erscheint weniger gedrungen. Außerdem verfügt es nur über einen kurzen Schwanz, so dass das weiße Hinterteil gut zu erkennen ist. Weiterhin bestehen Ähnlichkeiten zu dem gebietsfremden Wasserreh (Hydropotes inermis), welches sich aber durch das hellere Fell, dem fehlenden Fellmuster an der Stirn, dem kurzen Schwanz und dem dunkleren Hinterteil von dem Chinesischen Muntjak unterscheidet.

 

Lebensraum

In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet in China und Taiwan ist der Chinesische Muntjak in Wäldern und dem Buschland der gemäßigten, subtropischen und tropischen Klimazonen in Höhenlagen von 200 – 400 m zu finden. Er bevorzugt dichte und unterwuchsreiche Wälder und Vorwälder (Krapp 1986, Pei & Chiang 2004). Nachdem die Art in Großbritannien eingeführt wurde hat sie sich dort stark ausgebreitet und besiedelt heute sämtliche Lebensräume, die über eine ausgedehnte und vielfältige Kraut- und Strauchschicht verfügen. So konnte die Art in Niederwäldern, auf Plantagen, in Buschland sowie in überwucherten und ungestörten Gärten und auf Friedhöfen ausgemacht werden (Chapman et al. 1985, Chapman 2008).

 

Biologie 

Der Chinesische Muntjak zeigt ein polyphasisches Aktivitätsmuster, d.h. er ist tag- und nachtaktiv. Am aktivsten zeigt er sich allerdings zu den Dämmerungszeiten (Pei & Chiang 2004). Die Tiere leben in der Regel als Einzelgänger, allerdings lassen sie sich manchmal paarweise oder in kleinen Familiengruppen antreffen (Chapman 2008). Ausgewachsene Böcke sind äußerst territorial und verfügen über Streifgebiete von 10 – 30 ha, bisweilen sogar bis 100 ha, welche sich nur selten überschneiden. Die Streifgebiete der Böcke überlappen jene von mehreren Ricken. Auch die Ricken zeigen eine gewisse Territorialität, die aber nicht mit derer der Böcke zu vergleichen ist (Chapman et al. 1993).
Chinesische Muntjaks haben keine feste Fortpflanzungsperiode. Die Reproduktion ist während des ganzen Jahres möglich. Weibliche Tiere erreichen die Geschlechtsreife innerhalb des ersten Jahres. Die Tragzeit beträgt etwa 7 Monate und es wird meist ein einzelnes Kitz geboren. Chinesische Muntjaks werden bis zu 14 Jahre alt (Krapp 1986).
Muntiacus reevesisind Selektivesser, d.h. sie wählen ihr Futter gezielt aus. Sie ernähren sich vor allem von Blättern, Keimlingen und Früchten. In Großbritannien konnten Brombeere und Himbeere als die wichtigsten Nahrungsquellen identifiziert werden (Harris & Forde, 1986).
Bei Erregung geben die Tiere Schrecklaute von sich, die dem Bellen eines Hundes ähneln. Aus diesem Grund werden sie auf englisch auch „Barking Deer“ genannt.

 

Herkunft und Verbreitung in NRW

Sein ursprüngliches Areal hat der Chinesische Muntjak in Südostchina und in Taiwan. Einführungen außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes erfolgten vorsätzlich, vor allem zur Haltung in zoologischen Gärten. Gefangenschaftsflüchtlinge können sich selbstständig über geringe Entfernungen ausbreiten.Die Ersteinfuhr von Chinesischen Muntjaks in Europa erfolgte wahrscheinlich 1888. In Deutschland konnten die ersten wildlebenden Gefangenschaftsflüchtlinge in 2004 verzeichnet werden. Wildlebende Einzelfunde wurden bisher in Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein erfasst.  In NRW wurden im Kreis Borken zwei freilaufende Chinesische Muntjaks beobachtet. Wahrscheinlich handelt es sich um aus einer Privathaltung entlaufende Tiere. Das Vorkommen wurde an die EU Kommission gemeldet. Die Tiere sollen möglichst zeitnah aus der Natur entnommen werden.

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