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Sibirisches Streifenhörnchen (Tamias sibiricus )

syn.: Asiatisches Streifenhörnchen, Burunduk

syn.: Eutamias sibiricus

Kurzbeschreibung

aktualisiert am: 05.09.2017

Aussehen

Die bisher NRW freilebend angetroffenen Streifenhörnchen waren in der Regel Burunduks oder auch Sibirische Streifenhörnchen,Tamias sibiricus. Burunduks sind merklich kleiner als die einheimischen Eichhörnchen. Auf dem sandfarbenen Grund der Oberseite verlaufen vom Nacken bis zum Schwanz fünf braunschwarze Streifen. Die Seiten sind braun und gehen in den weißen Bauch über. Auf der Oberseite des buschigen aber schlanken Schwanzes werden, wenn die Haare gespreizt sind, drei dunkle Längsstreifen erkennbar. Die Augen werden oben und unten von hellen, breiten Streifen eingefasst. Burunduks haben große Backentaschen, die gefüllt das Volumen des Kopfes erreichen können (Münch 2005).  In Deutschland frei lebende adulte Burunduks wiegen 100 bis 120 g, ihre Kopf-Rumpflänge liegt zwischen 140 und 160 mm und der Schwanz ist 100 bis 130 mm lang (Berger 1984, Münch 2005).

Tamias sibiricuswird aktuell in drei Unterarten gegliedert, die sich jedoch äußerlich nur geringfügig unterscheiden (Obolenskaya et al. 2009). Zur Gattung Tamias gehören 25 Arten, die sich fast alle sehr ähneln und von denen nur eine, der Burunduk, in Eurasien vorkommt, während die anderen in Nordamerika zu Hause sind. Da weitere ebenfalls gestreifte Hörnchenarten aus Asien als Zootiere im Handel sind, ist nicht auszuschließen, dass Vertreter solcher Formen auch mal in die Freiheit gelangen und dann fälschlich als Burunduks angesprochen werden.

Einziges weiteres bekanntes, in NRW freilebendes Streifenhörnchen ist derzeit das östliche Streifenbackenhörnchen oder Chipmunk (Tamias striatus), das auf der Oberseite fünf braunschwarze, arttypisch angeordnete Längsstreifen aufweist. Die beiden seitlichen dicht zusammen liegenden Streifen sind vom zentralen Rückenstreifen durch ein breites graues Band getrennt. Der Bereich zwischen den recht kurzen Seitenstreifen ist weißlich. Chipmunks sind im Gegensatz zu den Asiatischen Streifenhörnchen lautfreudig. Sie äußern ein trillerndes ‚chip-chip-’ und ein tieferes ‚chuk .. chuck...’.

 

Lebensraum

Burunduks sind in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet Bewohner der Taiga mit Nadel- und Mischwäldern mit reichem Unterwuchs, wobei sie in Russland Kiefern- und Lärchenwälder bevorzugen. Sie sind dort bezüglich ihrer Lebensraumansprüche sehr flexibel. Durch den Menschen begründete kleine Vorkommen in Mitteleuropa existieren fast ausschließlich in (Wild-) Parks, siedlungsnahen, reich strukturierten Wäldern oder auf Friedhöfen. Für die Population auf dem Freiburger Hauptfriedhof wurde eine mittlere Dichte von vier Tieren pro ha ermittelt (Münch 2005). Auf dem Friedhof bei Münster lebten zeitweise bis zu 200 Burunduks, was etwa einer Dichte von 2,5 Hörnchen pro ha entspricht (Berger 1984).

Meist sind die Baue der Burunduks in den Boden gegrabene, bis zu 4 m lange und manchmal bis 95 cm tiefe Gänge mit einer Nest- und einer oder zwei Vorratskammern. Gelegentlich werden Vogelnistkästen auch zur Aufzucht von Jungen bezogen (Berger 1984). Burunduks halten sich überwiegend am Boden auf, wo sie sich oft ähnlich hektisch bewegen wie Eichhörnchen. Sie sind aber auch gute Kletterer, die bis in die Baumkronen aufsteigen können.

 

Biologie

Der Burunduk gehört zur Nagetierfamilie der Hörnchen (Sciuridae) und ist näher verwandt mit den vorwiegend bodengebunden lebenden Zieseln und Murmeltieren. Burunduks sind ausgesprochene Tagtiere. Sie können bis zu 14 Jahre alt werden (Grimmberger 2013).

Bereits am frühen Morgen werden sie aktiv, was im Frühjahr den ganzen Tag über anhält. Im Sommer lassen sich dann oft drei Aktivitätsphasen– erkennen, wobei die heißen Mittagsstunden meist im Bau verbracht werden. Auch bei starkem Regen bleiben die Tiere im Bau (Krapp 1978). Paarungswillige Männchen ziehen durch Schwanzwedeln die Aufmerksamkeit auf sich. Paarungen in der Freiburger Kolonie erfolgen manchmal schon im März aber überwiegend im April und Mai und im Juni wurden die ersten Jungen im Freien beobachtet. 4 bis 6 Junge werden pro Wurf geboren, die meist nicht vor 30 Tagen abgestillt sind. Zweitwürfe können vorkommen. Burunduks halten einen Winterschlaf, der hin und wieder unterbrochen wird. Dieser meist Ende Oktober beginnenden Periode geht im September eine verstärkte Vorratssammelaktivität voraus. Selbst zum Winterbeginn können einzelne Burunduks noch unterwegs sein. Ab März sind die ersten Tiere wieder im Freien zu sehen.

Burunduks ernähren sich überwiegend von Samen und Knospen von Bäumen und weiteren Pflanzen sowie von Pilzen, Beeren und auch von Getreide. Kleinere Arthropoden werden gelegentlich gefressen. Futter kann vorübergehend vergraben werden, für die Überwinterung legen Burunduks unterirdisch Nahrungsvorräte an.

 

Herkunft und Einwanderungsweg

Der Burunduk besiedelt die Waldzone des nördlichen Eurasiens ausgehend vom europäischen Russland bis Hokkaido, Japan. Das Verbreitungsgebiet reicht im Süden bis in die Mongolei, in das zentrale und östliche China sowie bis Korea.

Durch den Zootierhandel gelangten, verstärkt in den 70-er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, Burunduks aus dem Fernen Osten nach Europa und damit auch nach Deutschland. Immer wieder sind einzelne als Heimtiere gehaltenen Burunduks entwischt, die dann zu einer Feststellung der Art im Freien geführt haben mögen. Die in Deutschland wie auch die in NRW entstandenen, sich länger haltenden Kolonien wurden wahrscheinlich durch gezielte Ansiedlungen von mehreren Exemplaren begründet (Bertolino 2009). Bereits Krapp (1978) vermutete, dass die in Freiburg bestehende Burunduk-Kolonie auf Importe aus Korea zurück geht. Diese Annahme wird dadurch unterstützt, dass sich nachweisen ließ, dass die aktuellen französischen Burunduk-Kolonien im Großraum Paris genetisch den koreanischen Burunduks gleichen und dass bis in die 1980er-Jahre ein intensiver ‚Kleintierhandel’ gerade mit Südkorea bestand (Pisanu et al. 2013). An diesem Handel hat sicherlich auch Deutschland teilgenommen. Die Burunduks Koreas stellen eine eigene Unterart dar: Tamias sibiricus barberi, die nach jüngsten Erkenntnissen gegenüber den beiden anderen Unterarten so gut abgrenzbar ist, dass sie vielleicht sogar Artrang verdient (Obolenskaya et al. 2009).

 

Verbreitung in NRW,

Aus NRW gibt es nur wenige Feststellungen von meist einzelnen Burunduks (AG Säugetierkunde NRW, Meinig et al. 2011). Auf dem Waldfriedhof Lauheide bei Münster, im Wildgehege Essen Heissiwald, vielleicht auch bei  Neuenbeken gab es Kolonien, die über mehrere Jahre bestanden, inzwischen aber erloschen sind.

Obwohl in diesen „Parks“ mit einem sicherlich reichen Nahrungsangebot eigentlich günstigere Bedingungen für die Burunduks herrschen dürften als in der Taiga Sibiriens, hatten oder haben die mitteleuropäischen Kolonien offenbar keinen dauerhaften Bestand. Vielleicht beruht das darauf, dass hier Tiere angesiedelt wurden, die keine „Sibirier“ gewesen sind, sondern niedrigeren Breiten, nämlich aus dem Süden Koreas stammten, für die Mitteleuropa nur einen suboptimalen Lebensraum darstellt (Bertolino 2009).

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