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Nordamerikanischer Ochsenfrosch (Lithobates catesbeiana)

syn.: Lithobathes catesbeianus

Kurzbeschreibung

angelegt am: 16.02.2010

Aussehen

Der Ochsenfrosch ist mit einer Körperlänge von 9-15 cm die größte Froschart Nordamerikas und einer der größten Froscharten weltweit. Seine an Ochsengebrüll erinnernde Stimme ist Namen gebend. Ausnahmsweise können Weibchen bei einer Masse von deutlich über 500 g eine Körperlänge bis 20 cm (Hinterbeinlänge bis zu 25 cm) erreichen; die Männchen bleiben geringfügig kleiner. Die Oberseite ist meist oliv grün bis bräunlich gefärbt und enthält eine Vielzahl dunkler Flecken. Charakteristisch sind das Fehlen von Rücken-Drüsenleisten und das auffallend große Trommelfell (äußeres Ohr), welches sich direkt hinter dem Auge anschließt. Beim Weibchen ist das Trommelfell 1 bis 1,5-fach größer als der Augendurchmesser und beim Männchen erreicht es die doppelte Größe des Augendurchmessers. Kräftige Schwimmhäute befinden sich zwischen den Zehen. Meist werden die heimischen Wasserfroscharten Teichfrosch und Seefrosch mit Ochsenfröschen verwechselt, von dem sie sich aber durch ihre geringere Körpergröße deutlich unterscheiden.

Lebensraum

In seiner ursprünglichen Heimat wird der Ochsenfrosch als stark gewässergebundene Art charakterisiert, die meist stehende aber auch langsam fließende, mit reicher Ufervegetation ausgestattete Gewässertypen besiedelt. Die spärlichen Habitatangaben aus NRW sind wenig aussagekräftig und spiegeln wohl eher das Aussetzungsverhalten der Besitzer als die Lebensraumansprüche der Tiere wider. Mit Ausnahme der Gartenteiche wurden als Habitate meistens größere Gewässer gemeldet. Erwähnenswert sind die wiederholten Beobachtungen aus dem unteren Ruhrtal und der Lippeaue, wo die Tiere in Flussauen-Landschaften angetroffen wurden, die den natürlichen Habitatansprüchen der Art relativ nahe kommen dürften.

Biologie

Der Nordamerikanische Ochsenfrosch ist tag- und nachtaktiv. Die Fortpflanzung erfolgt im Mai und Juni mit der Abgabe von Laichballen, die bis zu 20 000 Einzeleier enthalten können. Die sehr großwüchsigen Larven können Gesamtlängen von 10-14,5, ausnahmsweise bis 17 cm erreichen. Die Jungfrösche werden vermutlich nach (2)3-(4)5 Jahren bei einer Körpergröße zwischen 80 und 100 mm geschlechtsreif. Die Lebenserwartung im Freiland liegt in einem verbürgten Fall bei 16 Jahren, meist jedoch sehr deutlich darunter. An Gewässern bilden die rufenden Männchen eigene Territorien aus, die sie heftig gegenüber Artgenossen verteidigen. Eine mehrmonatige Winterruhe erfolgt im Winterhalbjahr. Als Hauptbeute werden verschiedene Amphibienarten genannt, meist sind es die Vertreter aus der Gruppe der Wasserfrösche, nämlich der Teichfrosch und der Seefrosch, die an den Aussetzungsgewässern leben.

Herkunft und Einwanderungsweg

Die natürliche Verbreitung des Ochsenfrosches ist auf Nordamerika beschränkt, wo er ursprünglich entlang der Ostküste von Nordmexiko bis Südkanada sowie in den mittleren Bundesstaaten der USA vorkam. Durch wiederholte Verschleppung kommt die Art mittlerweile auch an der Westküste vor und darüber hinaus auch in anderen Kontinenten (z.B. Mittel- und Südamerika, Asien und Europa). Allein in Europa sind inzwischen Vorkommen aus Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland bekannt, die sich z.T. erfolgreich etabliert haben. Das bekannteste Beispiel ist die Poebene in Norditalien, wo der Ochsenfrosch bereits in den 1930er Jahren zur Schadinsektenbekämpfung daneben auch zum Zweck der Froschschenkel-Produktion gezielt ausgesetzt wurde. Die Art ist hier auch heute noch weit verbreitet. Ende der 1970iger Jahre kamen in Deutschland verstärkt Quappen in den Handel, die insbesondere in Gartencentern für den Besatz von Gartenteichen angeboten wurden. Über abwandernde bzw. gezielt ausgesetzte Tiere gelangten seitdem immer wieder Tiere in die freie Landschaft, wo sich aber in der Regel keine Populationen etablieren konnten.

Verbreitung in NRW

Die wenigen dokumentierten Nachweise des Ochsenfrosches sind auf das Niederrheinische Tiefland, die Niederrheinische Bucht, die Westfälische Bucht und das Bergische Land beschränkt und lassen – wie bei vielen anderen Neozooen - eine tendenzielle Häufung von Fundmeldungen aus den Ballungsräumen entlang von Rhein, Ruhr und Wupper erkennen. Ganz überwiegend handelt es sich bei den Fundmeldungen um temporäre Vorkommen adulter Einzeltiere, Kleingruppen von deutlich weniger als 10 Tieren sowie - in fünf Fällen - um ausgesetzte Quappen (10-50 Ex.). Mehrjährige Beobachtungen vom gleichen Fundort sind eher die Ausnahme, was möglicherweise als Indiz für erhöhte Abwanderungsraten (z.B. aus ungeeigneten Gartenteichen), eine insgesamt hohe Mobilität und/oder als hohe Mortalitätsraten gewertet werden kann. Nur in einem Fall konnte sich im Rhein-Sieg-Kreis eine Population des Ochsenfrosches über mehrere Jahre wiederholt erfolgreich reproduzieren. In der im Frühjahr 1995 entdeckten Population, die nach Auskunft der Anwohner seit mindestens fünf Jahren existierte, wurden bis zu 11 adulte Männchen „verhört“ sowie – im Sommer – hunderte Jungtiere registriert. Durch gezieltes Eingreifen der Fachbehörde konnte der Ochsenfrosch aus dem Gewässer entfernt werden.
Nordamerikanischer Ochsenfrosch, auf dem Rücken sitzt eine heimische Erdkröte.
© Foto: R. Behlert

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Nordamerikanischer Ochsenfrosch, auf dem Rücken sitzt eine heimische Erdkröte.
© Foto: R. Behlert

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Larve des Nordamerikanischen Ochsenfrosches (Rana catesbeiana), Foto: Hubert Laufer

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Männchen des Nordamerikanischen Ochsenfrosches (Rana catesbeiana)

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