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Glanzkrähe (Corvus splendens)

Kurzbeschreibung

angelegt am: 18.04.2019

Aussehen und Verwechselungsmöglichkeiten
Bei der Glanzkrähe handelt es sich um einen schlanken, mittelgroßen Rabenvogel mit langem Hals, der eine Körperlänge von bis zu 42 cm erreicht, Weibchen bleiben etwas kleiner. Der Rabenvogel besitzt ein charakteristisches Gefieder. Stirn, Wangen, Kehle sowie Rücken und Schwanz des Vogels sind schwarz und glänzen grünlich, bläulich oder purpurn. Die äußeren Ohrdecken, Nacken, Brust und Bauch sind grau (Nehring et al. 2017) Der Farbton des grauen Bereichs variiert bei den vier existierenden Unterarten der Glanzkrähe (CABI 2018). Die Beine sind schwarz und verhältnismäßig lang, die Augen sind schwarzbraun. Der Schnabel von Corvus splendens ist dunkel schiefergrau, relativ kräftig, er ist gewölbt und hoch, bis zur Hälfte ist dieser mit Nasalborsten bedeckt (Nehring et al. 2017). Aufgrund des charakteristischen grauen Rumpfs und der schwarzen Zeichnung an Kopf und Kehle sowie dem hohen kräftigen Schnabel ist die Glanzkrähe eindeutig von allen einheimischen sowie anderen gebietsfremden Rabenvögeln zu unterscheiden.

Lebensraum
Ursprünglich lebte die Glanzkrähe in Küstenlebensräumen (Scheibner et al. 2015). Der Vogel lebt omnivor, einen wichtigen Teil seiner Ernährung stellen Insekten dar. Aufgrund des intensivierten Einsatzes von Pestiziden und Insektiziden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen und dem damit einhergehenden Rückgang der Biomasse von Insekten besiedelte die Glanzkrähe (sub-)urbane, anthropogen gestörte Lebensräume (Koul et al. 2013 & Scheibner et al. 2015). Der Vogel profitiert von den hier verfügbaren (Essens-)Abfällen (Nyári et al. 2006).  Die Glanzkrähe gilt als Kulturfolger und lebt obligat in Gesellschaft mit dem Menschen, es ist keine vom Menschen unabhängige Population bekannt (Nyári et al. 2006).

Biologie
Corvus splendens ist ein omnivorer und opportunistischer Vogel. Der Rabenvogel ernährt sich von pflanzlichem und tierischem Material sowie anderen Nahrungsmitteln wie Essensabfällen oder menschlichen und tierischen Exkrementen. Einen großen Teil seines Nahrungsbedarfs deckt er durch Insekten, Weichtiere sowie anthropogene Abfälle und Aas (Koul et al. 2013). Nester werden in der Regel in Bäumen in einer Höhe von mindestens vier Metern gebaut. Geschlechtsreif ist die Glanzkrähe ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr. Weibchen legen einmal, manchmal auch zweimal im Jahr drei bis fünf Eier. Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Art liegt die Brutzeit zwischen April und Juni. In Gebieten, in die die Art eingewandert ist, ist die Brutzeit z. T. deutlich verschoben, so brütet die Art in Ostafrika zwischen September und Januar (GISD 2007). Männchen und Weibchen kümmern sich um die Bebrütung sowie die Fütterung der Jungvögel. Im Ursprungsgebiet stellt die Glanzkrähe eine wichtige Wirtsvogelart für den Indischen Koel, eine Art aus der Familie der Kuckucke, dar. Der Indische Koel ist ein auf die Nester von Corvus splendens spezialisierter Brutschmarotzer.

Herkunft und Einwanderungsweg
Die Glanzkrähe ist in China und Westasien, auf dem Indischen Subkontinent sowie in Indochina heimisch. Grundsätzlich gilt die Art als sesshaft, durch den Einfluss des Menschen kam es zu kleinen Veränderungen des Verbreitungsgebiets.

Im 19. Jahrhundert wurde die Glanzkrähe im heutigen Jemen, in Malaysia sowie im heutigen Tansania eingeführt (CABI 2018), um Müll zu beseitigen und um landwirtschaftliche Schädlinge zu kontrollieren. Darüber hinaus wurde die Art durch den steigenden globalen Schiffsverkehr unbeabsichtigt weiter ausgebreitet. Als „blinder Passagier“ ist Corvus splendens in der Lage, Küstengebiete zu besiedeln, die das Schiff passiert. Die Populationen im Jemen, in Malaysia und Tansania dienten neben der Population im Ursprungsgebiet als zusätzliche Ausgangspunkte der Ausbreitung der Art (CABI 2018).

Im April 1994 wurden zwei Glanzkrähen in Hoek van Holland in der Nähe von Rotterdam gesichtet, 1997 brüteten die Vögel hier das erste Mal erfolgreich, 2008 war die Population auf ungefähr 25 Tiere angewachsen. 2004 wurde eine zweite Kolonie in Den Haag festgestellt (Ryall 2008). Zuvor hatte die Art sich nur in tropischen und subtropischen Regionen etablieren können. Der Bruterfolg in den Niederlanden war der erste der Glanzkrähe in der kühlgemäßigten Zone und zeigte auf, dass der Vogel in der Lage ist, Winter mit Temperaturen von -8 °C zu überleben, was auf eine breite ökologische Plastizität der Art schließen lässt. Einzeltiere wurden auch in weiteren europäischen Ländern (Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Polen, Spanien und Ungarn) gesichtet (Nyári et al. 2006).

Ausbreitungsvektoren: Transport als blinde Passagiere auf Schiffen, Möglichkeit, sich an Küsten, die das Schiff passiert, niederzulassen (unabsichtlich)

Verbreitung in NRW
In Deutschland gilt die Art bisher als fehlend. Nach Untersuchungen von Nyári et al. (2006) gelten Teile Norddeutschlands als mögliches Verbreitungsgebiet der Art, besiedelt werden könnten v. a. urbane, semi-urbane und peri-urbane Lebensräume im Küstenbereich.

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