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Kettennatter (Lampropeltis getula)

Syn. Ketten-Königsnatter

Syn. Lampropeltis getulus

Kurzbeschreibung

aktualisiert am: 19.12.2022

Aussehen

Die Kettennatter ist ein mittelgroßer bis großer Vertreter der Gattung Lampropeltis mit einer durchschnittlichen Körperlänge von 90 bis 120 Zentimetern, seltener bis zu 200 Zentimeter, wobei 10 bis 15% der Körperlänge Schwanz sind (Conant & Collins 1998). Das Gewicht der Schlangen liegt zwischen 1300 und 2300 Gramm und ist ebenso wie die Größe unabhängig vom Geschlecht (Bartz 2012). Der Hals ist nicht oder nur leicht erkennbar und mit Augen moderater Größe ausgestattet. Die Pupillen sind rund und die Zunge gespalten. Im Maul befinden sich 46 bis 64 Zähne, darunter auch Zähne im Gaumen (Blaney 1977).

Die Schuppen aller Arten der Gattung Lampropeltis sind glatt und lanzettlich mit zwei apikalen Vertiefungen. Die Dorsalia (Schuppen am Rücken) der Kettennatter sind an der Körpermitte quer in 19 bis 25 Reihen angeordnet und der Körperlänge entlang in 200 bis 250 Reihen. Die weitaus größeren Ventralia (Schuppen am Bauch) sind der Körperlänge entlang in 40 bis 60 Reihen angeordnet (Blaney 1977).

Die Musterung der Schlange ist sehr variabel mit schwarzer bis brauner Grundfarbe und weißen, cremefarbenen oder auch seltener rötlich-gelben Querbinden oder Flecken. Durch die vielen Querbinden einiger Unterarten entsteht ein Ketten-Muster (Blaney 1977).

 

Bartz (2012) beschreibt folgende Unterarten:

Lampropeltis getula californiae: Körperlänge 90-105cm. Schwarz mit weißen Querbinden. Weißer Kopf mit schwarzer Oberseite.

Lampropeltis getula floridana: Körperlänge 105-140cm. Schwarz mit gelben (seltener weißen) bis zu 60 Querbinden. Unterseite blass gelb mit schwarzen Schuppen im „Zigzag“-Muster.

Lampropeltis getula getula:  Körperlänge 60-155cm. Schwarz mit gelben (seltener weißen) bis zu 30 Querbinden. Schwarzer Kopf mit vereinzelt gelben (oder weißen) Stellen

Lampropeltis getula holbrooki: Körperlänge 50-130cm. Schwarz mit gelben Flecken. Unterseite blass gelb bis weiß.

Lampropeltis getula niger: Körperlänge 90-120cm. Einfarbig schwarz.

Lampropeltis getula nigrita: Körperlänge 105-130cm. Schwarzglänzend mit ungefähr 75 dünnen gelben Querbinden und gelben Flecken.

Lampropeltis getula stricticeps: Körperlänge 125-155cm. Schwarz mit gelben Querbinden und Flecken. Unterseite blass gelb.

 

Weitere Unterarten nach Pyron & Burbrink 2009:

Lampropeltis getula splendida:Körperlänge 90-114cm. Schwarz oder dunkelbraun mit breiten blassgelben Querbinden. Schwarzer oder dunkelbrauner Kopf mit einem „Kragen“ aus gelben Schuppen.

 

Ähnliche Arten

Die Entstehung diverser Unterarten mit der Ausprägung unterschiedlicher Farben und Musterungen ist das Resultat der Anpassung an verschiedene Lebensräume in Nordamerika.

Blaney 1977 beschreibt sieben Unterarten: splendida, nigritus, holbrooki, niger, getulus, floridana und californiae. Während Bartz 2012 mit Ausnahme von Lampropeltis getula splendida alle Unterarten weiterhin als diese beschreibt, werden von anderen Autoren einigen Unterarten der Status einer eigenen Art zugeschrieben oder Unterarten zu einer anderen Art als dazugehörig erklärt: L. californiae (mit Eingliederung der Unterart L.g. nigrita), L. holbrooki, L. niger, L. splendida und L. getula (mit Eingliederung der Unterarten L.g. floridana, L.g. meansi, L.g. gioni und L.g. sticticeps) (Pyron & Burbrink 2009).

Des Weiteren wurde von einigen Hybride zwischen Lampropeltis getula sowie weiteren Sippen der Gattung Lampropeltis und Arten der Gattung Kornnatter (Pantherophis) berichtet (Kreutz 2005).

 

 

Lebensraum

Die Kettennatter bewohnt ein breites Spektrum von Sümpfen, ufernahen Standorten, Offenland sowie kiefern- und eichendominierte Flächen mit einer dicken Auflage organischer Substanz (Wund et al. 2007). Mikrohabitate variieren nach Unterart, wobei viele der Unterarten an Scheunen, Bahndämmen, Steinwänden und Müllhaufen zu finden sind. L.g. californiae und L.g. nigrita sind auf aride Standorte beschränkt (Bartz 2012).

Sie sind bis zu Höhen von 2100 Meter über dem Meeresspiegel anzutreffen (Blaney 1977).

 

Biologie und Ökologie

Kettennattern sind solitär lebende Tiere. Sie ruhen in etwa 80% der Zeit eingegraben in organischem Material oder auch in dichtem Buschwerk, Baumstümpfen, Torfmoosen oder sonstigen Hohlräumen (Wund et al. 2007). Die übrige Zeit im aktiven Zeitraum des Jahres zwischen März und Oktober wird zum Wandern, Sonnenbaden oder Jagen genutzt, wobei nur zwischen wenigen Standorten gewechselt wird. Das Territorium wird überwiegend gegenüber Artgenossen verteidigt; besonders Männchen zeigen Revierverhalten (Steen & Smith 2009).

Die Kettennatter jagt vor allem andere Schlangenarten, aber auch Mäuse, Ratten, Vögel sowie sonstige Reptilien, Amphibien und deren Eier, wobei die erbeuteten Tiere je nach Unterart und Standort variieren (Wright & Wright 1957). Die Beute wird erwürgt (CABI 2019). Natürliche Feinde in Nordamerika sind neben Alligatoren größere Schlangen, Greifvögel und Waschbären. Zur Verteidigung stellt sich die Schlange auf und zischt, wobei eher die Flucht ergriffen wird. Hier hilft die Musterung zur Verwirrung des Feindes und schließlich auch zur Tarnung (Bartz 2012).

Mit Beginn des Frühjahrs umwerben die Männchen die Weibchen, sodass nach etwa 60 Tagen 10 (3 bis 24) Eier gelegt werden. Unter günstigen Voraussetzungen entstehen mehrere Gelege pro Jahr pro Weibchen. Es wird keine Brutfürsorge betrieben. Sobald der Dottervorrat und Teile der Eischale verbraucht sind schlüpfen die Jungen und verlassen das Nest nach drei bis 14 Tagen. Die Geschlechtsreife wird zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr erreicht. Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt fünf bis sechs Jahre; in Gefangenschaft auch über 30 Jahre (Bartz 2012). Die regelmäßige Häutung kann bis zu fünf Tage dauern (Cazalot et al. 2015).

 

Herkunft und Einwanderungsweg

Das Herkunftsgebiet erstreckt sich über südliche USA von Atlantik bis Pazifik und dem nördlichen Mexiko sowie gesamter Halbinsel Baja Insular (Blaney 1977). Die Art wird zur Haltung weltweit gehandelt und wie andere älter werdende Reptilienarten in die Natur ausgesetzt. Auf den Kanarischen Inseln hat sich Lampropeltis getula californiae etabliert (Cabrera-Pérez et al. 2012). Obwohl die Art in allen EU-Mitgliedstaaten gehalten wird und sporadisch ausbricht (Verzelen et al. 2017), gibt es keine weiteren aktuell bekannten Freilandvorkommen in Europa (Speybroeck et al. 2020).

 

Das genaue Verbreitungsgebiet einzelner Unterarten nach Bartz 2012:

Lampropeltis getula getula: Ostküste Nordamerika bis West Virginia und Alabama und von New Jersey bis Florida

Lampropeltis getula floridana: Florida

Lampropeltis getula californiae: Süden von Kalifornien und Baja California

Lampropeltis getula holbrooki: Illinois, Iowa und Alabama

Lampropeltis getula nigra: zwischen Appalachen und Fluss Mississippi

Lampropeltis getula splendida: Chihuahuan Wüste (Pyron & Burbrink 2009)

Lampropeltis getula stricticeps: Nord-Kalifornien

Lampropeltis getula nigrita: Arizona und Nord-Mexiko

 

Ausbreitung in NRW

Es gibt keine Vorkommen in der freien Natur in NRW.

 

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