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Nilgans (Alopochen aegyptiaca)

Kurzbeschreibung

angelegt am: 09.04.2010

Aussehen und Verwechselungsmöglichkeiten        

Die Nilgans ist eine kleine Halbgans von 71 bis 73 cm Größe und hat eine Flügelspannweite von134-154 cm. Ihr Gefieder ist recht bunt und macht sie unverwechselbar. Ein typisches Merkmal ist der dunkle Augenfleck im hellen Kopf- und Halsgefieder („Matschauge“), der auch auf große Entfernung sofort erkannt wird. Die Männchen sind etwas größer als Weibchen und meist etwas intensiver gefärbt. Wegen der großen individuellen Variation ist dies aber nicht immer der Fall. Zudem gibt es einen graueren und einen brauneren Typ, was jedoch geschlechtsunspezifisch ist.

Im Flug fällt das große weiße Flügelfeld auf, das einen deutlichen schwarz-weiß-Kontrast bildet. Ähnliche Zeichnungen zeigen aber auch die anderen in NRW vorkommenden Halbgänse: Rostgans mit rostrotem Körper und beigem Kopf (ohne Augenfleck) und Brandgans mit weißem Körper und rostrotem Brustband, schwarzem Hals und Kopf sowie einem leuchtend roten Schnabel, der bei der Nilgans unauffällig rosa ist..

 

Lebensraum

Nilgänse zeigen eine sehr hohe Anpassungsfähigkeit und besiedeln die halboffene Kulturlandschaft Nordrhein-Westfalens. Sie nutzen hauptsächlich Agrarflächen als Nahrungshabitate. Wichtige Habitatelemente sind Gewässer aller Art, z.B. Fließ-, Abgrabungs– und Kleingewässer, Regenrückhaltebecken und Talsperren. Die Brutplätze befinden sich oft in Gewässernähe und sind variabel angelegt: Das Spektrum reicht von Erdlöchern, Bodennestern unter Gebüschen, Flößen auf Abgrabungsgewässern bis hin zu Baumbruten (Kopfbäumen, Greifvogelnestern). Nilgänse besetzen auch Storchennisthilfen und Nester auf oder in Gebäuden (Mooij & Bräsecke 2000, Bauer et al. 2005).

 

Biologie          

Nilgänse werden im Alter von 1-2 Jahren geschlechtsreif. Die in der Regel monogamen Paare sind territorial und besetzen ihre Reviere einen Großteil des Jahres über. Die Brutbiologie ist in weiten Teilen Afrikas stark auf die Regenzeiten abgestimmt und damit sehr plastisch (del Hojo et al. 1992). Daraus lassen sich Verhaltensweisen ableiten, die für mitteleuropäische Verhältnisse unsinnig erscheinen. Die Brutzeit reicht in Afrika bis in den Dezember hinein. Auch in NRW wurden schon Winterbruten festgestellt (Foto einer Nilgansfamilie im Schnee: Tillmanns in Hüppeler 2000). Auch wenn die meisten Nilganspaare in NRW im Zeitraum März bis August brüten, erstreckt sich die gesamte Brutzeit über alle Monate. Es findet jedoch nur eine Jahresbrut statt (Mooij & Bräsecke 2000).

In der Regel wird das Nest versteckt angelegt und die Vögel verhalten sich während der Brutzeit recht heimlich. Während das Weibchen brütet, wacht das Männchen in der Nähe und alarmiert das Weibchen bei Gefahr. Die Gelegegröße beträgt meist 6-12, in Ausnahmefällen bis zu 15 Eier (Mooij & Bräsecke 2000). Die Jungen schlüpfen nach 28-30 Tagen und werden von beiden Eltern geführt. Die Jungen werden im Alter von 70-75 Tagen flügge (del Hojo et al. 1992, Kolbe 1999, Bauer et al. 2005), bleiben aber noch längere Zeit bis in den Herbst hinein im Familienverband; im Gegensatz zu den „richtigen“ Gänsen jedoch nicht über den Winter. Nichtbrütertrupps können das ganze Jahr über angetroffen werden. Oft treten in den  Sommermonaten bis in den späten Herbst hinein große Ansammlungen von teilweise mehreren 100 Vögeln insbesondere in den großen Flussauen auf. Bereits im Januar lösen sich diese Ansammlungen wieder auf und die Brutgebiete werden erneut besetzt (Sudmann & Doer 2007, Sudmann 2010).

Die Vollmauser findet bei den Altvögeln gegen Ende der Jungenaufzucht statt (Kolbe 1999) und ist bei den in NRW brütenden Nilgänsen nicht synchronisiert, so dass auch bei Familien ein Altvogel meist flugfähig ist.

Die Nahrung besteht überwiegend aus Gräsern und Samen. Dazu kommen Blätter und Stiele von Pflanzen, Gemüse, Getreidekörner, Sprosse und Kartoffeln (del Hojo et al. 1992, Kolbe 1999, Bauer et al. 2005).

Ausgewachsene Nilgänse haben in Deutschland kaum natürliche Feinde. Gelege werden vereinzelt vom Fuchs gefressen. Küken können Opfer von Rabenkrähen, Greifvögeln und weiteren Raubsäugern werden.

 

Herkunft und Einwanderungsweg

Das natürliche Verbreitungsgebiet befindet sich derzeit in Afrika südlich der Sahara. Dort werden eutrophe Gewässer von der Küste bis in 4.000 m Höhe (Äthiopien) besiedelt.

In Großbritannien und Mitteleuropa wurde die Nilgans seit dem 17. Und 18. Jahrhundert gehalten. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts sind die ersten freilebenden Brutpopulationen in Großbritannien bekannt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Population auf etwa 400-500 Individuen an und stagnierte bis in die 1980er Jahre weitgehend (Bauer et al. 2005, Bauer & Woog 2008). In den Niederlanden erfolgte 1967 der erste Brutnachweis. Seitdem ist der Bestand exponentiell angestiegen: 1977: 48 Brutpaare, 1989: 345, 1994: 1.350, 1998-2000: 4.500-5.000 Brutpaare (SOVON 2002). Mittlerweile dürfte sich der Bestand verdoppelt haben und alle Landesteile besiedelt sein. Aktuell steigen die Winterbestände in allen Teilen der Niederlande nur noch gering an, so dass sich eine Bestandssättigung andeutet (SOVON unpubl.).

 

Verbreitung in NRW

Die ersten Freilandbruten wurden für Deutschland 1986 in NRW festgestellt (Bauer & Woog 2008). In diesem Jahr gelangen gleich an mehreren Stellen Brutnachweise: Bislicher Insel und bei Rheinberg (Kreis Wesel; Bräsecke 1997), bei Alstedde (Kreis Unna; dort eventuell schon 1985; NWO 2002). Danach erfolgte eine Ausbreitung entlang der großen Flüsse und für 1998 recherchierte Hüppeler (2000) einen Bestand von 155 Revierpaaren für NRW. Ende der 1990er Jahre wurde der nordrhein-westfälische Bestand von Kretzschmar (1999)auf etwa 200 Brutpaare geschätzt. Für 2005 wurde ein Bestand von 500-800 Brutpaaren angegeben (Sudmann et al. 2008).

Mittlerweile ist die Nilgans bereits in alle Landesteile vorgedrungen, wenn sie auch in den Mittelgebirgen noch in sehr geringer Dichte vorkommt. Der Siedlungsschwerpunkt befindet sich im Niederrheinischen Tiefland, v.a. in den Kreisen Kleve und Wesel. Für 2005 wurde ein Bestand von 500-800 Brutpaaren hochgerechnet (Sudmann et al. 2008). Das landesweite Rastbestandsmaximum lag 2005 bei etwa 2.500 Nilgänsen (Sudmann & Doer 2007, Sudmann 2010). Seitdem sind die Bestände weiter deutlich angewachsen.

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Nilgansfamilie, Foto: S. Sudmann

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Nilgans, Alopochen aegypitaca, Foto:  S. Sudmann

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Nilgans, Alopochen aegypitaca, Foto: H. Glader

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