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Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Syn. Solidago altissima, Solidagocanadensis subsp. altissima, Solidago anthropogena, Solidago elongata, Solidago lepida, Aster canadensis, Doria canadensis

Kurzbeschreibung

aktualisiert am: 19.12.2022

Aussehen

Die Kanadische Goldrute ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die zwischen 25 und 250, durchschnittlich 150 Zentimeter groß wird. Der Stängel ist nicht bereift, unverzweigt und zumindest in der oberen Hälfte dicht abstehend kurzhaarig (BfN 2022; CABI 2021; Starfinger et al. 2011). Lediglich im Bereich des Blütenstandes ist der Stängel verzweigt. Der Blütenstand selber ist leicht überhängend und besteht aus ungefähr 1200 Blütenköpfen mit insgesamt ungefähr 15000 Einzelblüten, die in einer Rispe mit zentraler Achse liegen. Wie bei den meisten Arten der Unterfamilie Asteroidae unterscheidet man zwischen fertilen, weiblichen Zungenblüten und fertilen, zweigeschlechtlichen Röhrenblüten (CABI 2021). Die goldgelben Blüten liegen in 3-5 Millimeter großen Köpfchen mit 2-3 Millimeter hohen Hüllblättern (Starfinger et al. 2011). Durch einen 2-2,5 Millimeter langen Pappus sind die 1 Millimeter großen Früchte Windstreuer (CABI 2021; Werner et al. 1980).

Die gezähnten, seltener ganzrandigen Blätter sind einfach und unbehaart, aber teilweise flaumig auf der Blattunterseite behaart, sowie von drei Nerven durchzogen. Sie sitzen ungestielt und spiralig angeordnet am Stängel, wobei die größten Blätter an der Stängelmitte ansetzen und die Blattgröße zum Blütenstand hin abnimmt (CABI 2021). Mit einer Länge von 3-15 Zentimetern und einer Breite von 0,5-2 Zentimetern sind sie lanzettlich (Werner et al. 1980).

Das Überdauerungsorgan ist ein 5-12 Zentimeter langes Rhizom und liegt mindestens 20 Zentimeter tief im Boden (Werner et al. 1980; CABI 2021).

 

Ähnliche Arten

Es handelt sich um eine sehr variable Art mit Varianten verschiedener Chromosomensätze. Einige Autoren formulieren Unterarten und betrachten diese zum Teil als eigenständige Art (Werner et al. 1980; CABI 2021).

In Europa gab es schon nomenklatorische Verwirrungen, da unklar ist von welcher der Solidago canadensis Unterart(en) die europäischen Sippen abstammen. Die hier vorkommenden Pflanzen scheinen nur zu einem Taxon zu gehören, dessen Entsprechung zu den amerikanischen Taxa nicht restlos geklärt ist. Die Evolution hat unter den europäischen Goldruten seit ihrer Einführung zu neuen Merkmalskombinationen geführt, weshalb man sie auch als eigene Art S. anthropogena gefasst hat (Starfinger 2011).

Die Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) ist der KanadischenGoldrute sehr ähnlich, jedoch hat die Riesen-Goldrute einen unbehaarten Stängel, einen bräunlichen Pappus, einen dichteren Blütenstand und längere Rhizome (Weber & Jakobs 2005). Die Riesen-Goldrute ist ebenfalls invasiv (Nehring et al. 2013). In Nordost-Amerika sowie auch in Frankreich wurde eine Hybridisierung von Solidago gigantea mit Solidago canadensis beobachtet (CABI 2021).

 

Lebensraum

Im natürlichen Verbreitungsgebiet wächst die Kanadische Goldrute auf frischen Böden in der Langgras-Prärie, wobei sie hinsichtlich Bodenfruchtbarkeit und –textur sehr tolerant ist. Obwohl die Art als schattenunverträglich gilt, kommt sie auch in bewaldeten Gebieten vor (Werner et al. 1980). Weitere Standorte sind brachgefallene Felder und gestörte Standorte an Wald- und Straßenrändern. In Europa werden zusätzlich unregelmäßig genutzte trockene Wiesen, Randbiotope von Feuchtgebieten, Saumgesellschaften, Hochstaudenfluren und Magerrasen bewachsen (CABI 2021; Weber 2000; Nehring et al. 2013). In Japan und Europa steigt die Art auf bis zu bis 800m (CABI 2021).

 

Ökologie

Die Kanadische Goldrute ist sehr licht- und wärmebedürftig, sodass oft Ruderalstandorte oder andere Standorte nach Nutzungsaufgabe (oder Feuerereignissen) schnell erschlossen werden (Starfinger et al. 2011; Nehring et al. 2013; CABI 2021). Nach dem Blattaustrieb im April blüht die Pflanze zwischen August und September (Juli bis Oktober), wobei der Zeitpunkt des Blattaustriebes und der Blüte durch genetische Variationen innerhalb der Art variieren kann (Werner et al. 1980; Weber 2000; Weber & Schmid 1998). Die Blüte ist selbststeril und wird vorwiegend von Honigbienen, Hummeln, Soldatenkäfern und Fliegen bestäubt und stellt eben für diese Arten ein wichtiges Blühangebot im Spätsommer dar (Werner et al. 1980). Die 11000 bis 20000 kurzlebigen Samen pro Stängel dienen vorwiegend der Fernausbreitung und keimen bei 25 bis 30 Grad Celsius (CABI 2021; Werner et al. 1980; Starfinger et al. 2011). Einmal etablierte Bestände vermehren sich ausschließlich klonal, sodass sich unter günstigen Bedingungen langlebige, artenarme Dominanzbestände herausbilden (CABI 2021; Nehring et al. 2013). Hierbei bildet sich ein dichtes Netz aus Rhizomen mit bis zu 300 Sprossen pro Quadratmeter, wobei ältere Bestände im Zentrum vergreisen können und sich somit ein Hexenring herausbilden kann (Weber 2000; Werner et al. 1980). Die Rhizome können bis zu 100 Jahre alt werden und sind umso kürzer, je älter der Bestand ist, da vorwiegend in jungen Beständen und am Rand älterer Bestände ein weitläufiges Rhizom zur Erschließung weiterer Flächen ausgebildet wird. Das Rhizomwachstum erfolgt nach abgeschlossener Blüte im Herbst (Werner et al. 1980). Die Kanadische Goldrute geht eine Symbiose mit Mykorrhizapilzen ein (Werner et al. 1980) und besitzt allelopathische Eigenschaften, das heißt sie hemmt das das Wachstum der am Standort konkurrierenden Pflanzenarten.

 

Ungünstige Umweltbedingungen äußern sich in Form von Reduktion der Konkurrenzkraft durch geringeres Wachstum und Samenproduktion. Verbiss macht sich in einer Reduktion der Wuchshöhe, Anlage von kleineren Blättern, dünneren Stängeln und einer grundständigen Blattrosette im Herbst bemerkbar (van Kleunen et al. 2004; Werner et al. 1980). Bestände von Kanadischer Goldrute auf gestörten Standorten produzieren mehr Samen (Werner et al. 1980). Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet wird die Art von einigen, in Europa fehlenden großen Pflanzenfressern gefressen. Zudem gibt es dort eine reiche Interaktion mit 240 Insektenarten beobachtet (Werner et al. 1980). In Europa leben dagegen nur wenige pflanzenfressende Insekten und Schnecken an der Kanadischen Goldrute (CABI 2021).

Die Kanadische Goldrute ist häufig mit nitrophilen Hochstauden und zum Teil anderen Neophyten an Flussläufen vergesellschaftet (Ellenberg et al. 1992), besiedelt aber auch bevorzugt brachgefallenes, mageres und spät bzw. unregelmäßig gemähtes Grünland. Nach der Kartieranleitung des LANUV ist die  Kanadische Goldrute in den FFH-Lebensraumtypen 6510 (Glatthafer- und Wiesenknopf-Silgenwiesen) und 6520 (Berg-Mähwiesen) ein diagnostisch relevanter Störzeiger. Ist die Deckung aller Störzeiger (inklusive Beweidungszeiger) größer als 50% wird der entsprechenden Fläche der Status eines FFH-Lebensraumtyps aberkannt (LANUV 2019).

 

Herkunft und Einwanderungsweg

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Kanadischen Goldrute erstreckt sich von Mexiko bis Süd-Kanada (Weber 2003). Um 1645 wurde die Art nach Europa als Zierpflanze eingeführt und breitete sich durch Gartenflüchtlinge in Deutschland seit ungefähr 1850 kontinuierlich aus. Die Invasion erfolgte an keiner klaren Ausbreitungsfront, sondern viel mehr wurden immer wieder neue abgeschottete Populationen entdeckt (Kowarik 2003; CABI 2021). Um 1950 war die Ausbreitung in Deutschland weitestgehend abgeschlossen, wobei innerhalb des Verbreitungsgebiets weiterhin neue Standorte erschlossen werden (Starfinger et al. 2011). Eine weitere Ausbreitung in Europa ist besonders im Süden und Südosten Europas sowie Skandinavien absehbar (Weber 1998, Starfinger et al. 2011). In Europa handelt es sich ausschließlich um die diploide Variante der Kanadischen Goldrute (Musial 1989). Die Art ist ebenso in Australien, Teilen Asiens und dort ganz besonders in China als Neophyt etabliert (Weber 2003).

 

Ausbreitung in NRW

Die Kanadische Goldrute kommt nahezu flächendeckend in ganz NRW vor (BfN 2013). Ein Voranschreiten des Klimawandels wird sich positiv auf die Art auswirken, da höhere Temperaturen die Keimung, das Pflanzenwachstum und die Samenproduktion begünstigen (Kleinbauer et al. 2010).

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