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Flutendes Heusenkraut (Ludwigia peploides)

Kurzbeschreibung

angelegt am: 08.02.2010

Aussehen

Beide in Europa vorkommenden Ludwigia-Sippen sehen sich ähnlich und sind morphologisch im vegetativen Zustand kaum sauber zu unterscheiden. Sie besitzen Nachtkerzen-ähnliche gelbe Blüten mit 5 wirtelig angeordneten Blütenblättern, wechselständige, ganzrandige Blätter (1- 11 cm), die länglich-lanzettlich, schwach behaart oder kahl sind. Daneben kommen auch wirtelig angeordnete rundliche Schwimmblätter vor. Es handelt sich um Wasser- bzw. Sumpfpflanzen, die in bis zu 80 cm (auch deutlich über 1m) tiefem Wasser wurzeln kann. Charakteristisch für die beiden Arten ist die Ausbildung von „Luftschnorcheln“ (Bild), sehr schwammigen (aerenchymhaltigen) Wurzeln, die den unter der Wasseroberfläche liegenden Wurzeln bei der Sauerstoffaufnahme helfen. Die Stängel können eine Länge von > 3 m erreichen. Die submersen Blätter beider Arten sind rundlich bis eiförmig, die emersen Blätter lanzettlich. Sie wachsen aufrecht, niederliegend oder flutend. Es werden dichte, teppichartige Bestände gebildet, die vom Ufer aus die offene Wasserfläche kolonisieren. Die Merkmale der Ludwigia-Sippen sind insgesamt sehr variabel und die einzelnen Sippen nur mit zytologischen Untersuchungen sicher zu unterscheiden. Verwechselungen könnten mit der Bachbunge, Veronica beccabunga, auftreten. Diese hat aber kleine, blaue Blüten und die Blätter sind breiter und rundlicher.

Lebensraum

Es werden Flachwasserbereiche von stehenden und langsam fließenden Gewässern besiedelt, aber auch nasse Wiesen. Ludwigia ist bezüglich Trophie und Wasserqualität anspruchslos, wächst jedoch besser unter nährstoffreichen Bedingungen.

Biologie

Beide in Europa invasive Ludwigia-Sippen sind ausdauernde Pflanzen und haben sehr ähnliche ökologische und biologische Eigenschaften. L. peploides besitzt einen doppelten Chromosomensatz (diploid), bestäubt sich selbst (autogam) und bildet im Labor keimfähige Früchte. Ludwigia grandiflora besitzt einen zehnfachen Chromosomensatz (hexaploid) und ist überwiegend unfruchtbar, d.h. auf vegetative Vermehrung angewiesen. Es wird vermutet, daß die sexuelle Fortpflanzungsfähigkeit der Grund dafür ist, daß L. grandiflora im Süden Frankreichs sukzessive durch L. peploides ersetzt wird (Dandelot et al. 2005). Dabei ist die Bedeutung der sexuellen Fortpflanzung insgesamt noch ungeklärt. Beide Arten vermögen sich über verdriftete Pflanzen-Bruchstücke, die einwurzeln können und außerordentlich schnell wachsen, zu vermehren. Auf diese Weise können die Pflanzen in kurzer Zeit neue Gewässer kolonisieren und schnell dichte, stark beschattende Teppiche bilden. Beide Arten vermögen den Winter auch unter einer Eisdecke zu überdauern und sich im Frühjahr aus den Wurzeln im Sediment heraus zu regenerieren.

Herkunft und Einwanderungsweg

Beide Ludwigia-Sippen sind in Nord- und Südamerika heimisch. Ludwigia-Sippen des näheren Verwandtschaftskreises breiten sich in Australien, Neuseeland, Südostasien und Europa aus. Die ersten Ludwigia-Pflanzen wurden in den 1820er Jahren in den Botanischen Garten von Montpellier eingeführt und breiteten sich im Laufe des 19. Jahrhundert in der gesamten mediterranen Region Frankreichs aus. Seit ungefähr 30 Jahren breiten sich die Pflanzen nach Norden aus. Im Nordwesten reicht ihre Verbreitung inzwischen über die holländische und belgische Grenze (Verbreitung Belgien) hinaus. Daneben gibt es Vorkommen in Italien, Spanien und der Schweiz. Beide Ludwigia-Arten werden bei uns trotz der weltweit belegten Invasivität und des hohen Schadenspotentials als dekorative Zierpflanze über den Gartenhandel vertrieben.

Verbreitung in NRW

In Nordrhein-Westfalen sind bisher keine Wild-Vorkommen bekannt. Mit den ersten Vorkommen in Belgien und Holland (Eindhoven) steht Ludwigia aber unmittelbar vor unserer Haustür.

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Flutendes Heusenkraut, Ludwigia peploides
© Foto: A. Hussner
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Flutendes Heusenkraut, Ludwigia peploides
© Foto: A. Hussner
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Größenvergleich Ludwigia grandiflora (links), L. peploides (rechts)
© Foto: A. Hussner
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