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Muschelblume (Pistia stratiotes L.)

Kurzbeschreibung

aktualisiert am: 10.12.2014

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten
Pistia stratiotes ist eine frei schwimmende Wasserpflanze, die mit ihren langen Blättern Rosetten bis zu einem Durchmesser von über 60 cm ausbildet. Die Blätter sind verkehrt eiförmig bis länglich-löffelförmig, hellgrün, beidseitig behaart und mit vielen deutlich erkennbaren, parallel verlaufenden Nerven ausgestattet. Die langen, feinen Wurzeln hängen ins Wasser und nehmen aus dem Wasserkörper Nährstoffe auf. Die unauffälligen Blütenstände sind 7-12 mm lang und 5 mm breit. Sie sitzen auf kurzen Stielen in der Mitte der Blattrosette. Der Blütenkolben ist von einem weißlichen Hochblatt (= Spatha) umschlossen, welches blassgrün, außen behaart und innen kahl ist. Das Hochblatt ist zwischen den Gruppen von weiblichen und männlichen Blüten verengt. Es öffnet sich am Morgen unterhalb der Verengung und legt die nasse Narbe frei, während die männlichen Blüten eingeschlossen bleiben. Nach ein paar Stunden öffnet sich die Spatha komplett und legt auch die männlichen Blüten frei. Nach der Befruchtung krümmt sich der Blütenstiel und die Frucht wird unter Wasser gedrückt, wo die Samen freigegeben werden. Oftmals finden sich die Früchte in den Blattachseln der äußeren Blätter oder ganz außerhalb der Blattrosette, nachdem die älteren Blätter abgefallen sind.
Da es keine vergleichbaren einheimischen Wasserpflanzenarten gibt, ist eine Verwechslung mit einheimischen Wasserpflanzen fast ausgeschlossen.

  

Lebensraum
Pistia stratiotes besiedelt stehende und fließende, vorzugsweise nährstoffreiche Gewässer. Die Bestände können unter günstigen Witterungsbedingungen schnell ganze Gewässer zuwuchern und somit das Gewässer vollständig beschatten. In fließenden Gewässern werden die Pflanzen jedoch verdriftet und es werden meist keine großflächigen Dominanzbestände ausgebildet, hier finden sich nur in ruhigeren Gewässerbereichen, an Querbauwerken oder bei bis an die Wasseroberfläche reichenden Beständen submerser Pflanzen Verankerungspunkte für die Pflanzen.

 

Biologie
Pistia stratiotes ist eine schwimmende Wasserpflanze, die ihre Nährstoffe über ihre Wurzeln direkt aus dem Wasser aufnimmt. Die Pflanzen sind nicht winterhart, so dass sich Bestände nur in Gewässern halten können, die in den Wintermonaten nicht zufrieren. Die großen, über die Wasseroberfläche ragenden Blätter zeigen schon bei leichtem Nachtfrost deutliche Schädigungen, so dass die Pflanzen nur in einer kleineren, vollständig auf der Wasseroberfläche liegenden Form Frostereignisse überstehen können.
Pistia stratiotes vermehrt sich in den meisten Fällen rein vegetativ, wobei die Tochterpflanzen über bis zu 20 cm lange Stolone mit der Mutterpflanze verbunden sind. Zudem bilden die Pflanzen auch reichlich Samen aus, die auf den Gewässerboden absinken. Die Keimung der Samen wird von verschiedenen abiotischen Parametern beeinflusst (u.a. Lichtverfügbarkeit, Temperatur). Auch in Deutschland konnten schon oft Blüten beobachtet werden, über die Keimfähigkeit der Samen und eine eventuelle Keimung der Samen in hiesigen Gewässern ist jedoch fast nichts bekannt. Lediglich in der Erft konnten bisher keimfähige Samen gefunden werden, ohne dass jedoch ein Nachweis von Keimlingen im Gewässer erfolgen konnte.

 

Herkunft und Einwanderungswege
Die Muschelblume stammt ursprünglich aus Südamerika, ist aber mittlerweile in vielen tropischen und subtropischen Regionen der Welt anzutreffen. In Europa ist Pistia stratiotes aufgrund der klimatischen Gegebenheiten vor allem in Südeuropa verbreitet, in den anderen Gebieten gibt es nur in thermisch anomalen Gewässern etablierte Vorkommen.
In Deutschland gelangen erste Funde der Art 1980 in Ostdeutschland, 1981 erfolgte mit dem Erstnachweis an der Erft der erste Nachweis in NRW. Die Bestände konnten sich anfangs jedoch nicht etablieren und waren immer auf Ansalbungen in den verschiedenen Jahren zurückzuführen. Da Pistia stratiotes im Handel weit verbreitet und eine beliebte Gartenteich- und Aquarienpflanze ist, gelangten immer wieder Pflanzen in die freie Natur.

 

Verbreitung in Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen ist Pistia stratiotes zumeist in unbeständigen Vorkommen anzutreffen, die auf Ansalbungen zurückzuführen sind und zumeist im folgenden Winter wieder absterben. Lediglich in der Erft konnte sich seit 2008 ein Bestand etablieren.

 

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Muschelblume, Pistia stratiotes, Foto: Dr. A. Hussner

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Pistia stratiotes L., Muschelblume, Foto: Dr. A. Hussner

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