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Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana)

Syn. Zehnmännige Kermesbeere, Scharlachbeere

Syn. Phytolacca decandra, Phytolacca vulgaris

Kurzbeschreibung

angelegt am: 03.11.2022

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten
Die Amerikanische Kermesbeere ist eine krautige, zum Teil verholzende Pflanze, welche Wuchshöhen zwischen 1 und 3 Meter erreicht, wobei der Stängel oft rötlich, kahl, kräftig und gabelig verzweigt ist. Die sommergrünen, mattgrünen Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Pflanze bringt mit einer Blattspreite von bis zu 30 Zentimetern große bis sehr große Blätter hervor, die am Blattrand oft gewellt sind (Info Flora 2022).
Die cremeweißen Blüten blühen zwischen Juni und September und sind in einer Traube angeordnet, die leicht gebogen bis überhängend ist. Anschließend reift die zunächst rote, später schwarze bis zu 1 Zentimeter große Beere heran, die 10 ungefähr 2 Milimeter große eiförmige Samen einschließt. Eine Pflanze kann pro Vegetationsperiode mehr als 25.000 Samen produzieren, welche sehr langlebig sind und zusätzlich Feuerereignisse überdauern können (Stare 2018). Als Überdauerungsorgan dient ein Pleiokorm (Rübe) (Klotz et al. 2002).
Die Asiatische Kermesbeere (Phytolacca esculenta Syn. Phytolacca acinosa) ist der Amerikanischen Kermesbeere im Erscheinungsbild sehr ähnlich, wobei hier der Blütenstand aufrecht steht. Zudem setzt sich die Beere aus nur acht statt zehn Kammern zusammen, welche deutlicher zu erkennen sind. Sie ist deutlich häufiger als die Amerikanische Kermesbeere (NABU o.J., Balogh/Juhász 2008).

Lebensraum
Die Amerikanische Kermesbeere ist in Mitteleuropa bis in den Balkan zerstreut lokal eingebürgert oder kommt zumindest unbeständig vor. Die Amerikanische Kermesbeere gedeiht an mesophilen Standorten in sonniger bis halbschattiger Lage und ist recht anspruchslos bei einer Vorliebe zu anthropogen geprägten Lebensräumen (Balogh/Juhász 2008). Sie ist ebenso schattenverträglich wie auch resistent gegenüber Trockenheit und Wasserentzug. Sie besitzt eine hohe Regenerationskraft, insbesondere die Jungpflanzen. Sie wächst auch auf auf sehr sandigen und sauren Böden, wobei eine gute Nährstoffversorgung das Wachstum begünstigt. Durch Windwurf und Schädlingsbefall entstandene Freiflächen im Wald werden rasch besiedelt (RLP Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen 2017). Weitere Standorte sind Hecken, Schutzplätze, Kahlschläge und Pflanzungen in kolliner Lage (Balogh/Juhász 2008).

Ökologie
Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch Käfer, (Schweb-)Fliegen, Wespen und Bienen. Eine beachtliche Wuchshöhe, starkes (Höhen-)Wachstum und die Ausprägung großer Blätter verleihen ihr eine hohe Konkurrenzkraft (Konkurrenz-Stratege) (Klotz et al. 2002). Nur 2-10% der Lichtstrahlung durchdringen einen Bestand der Amerikanischen Kermesbeere bis zum Boden, so dass kleinere Pflanzen beschattet und verdrängt werden (RLP Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen 2017).

Herkunft und Einwanderungsweg
Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom östlichen Kanada bis in den Süden der USA. Die Pflanze wurde zwischen 1630 und 1651 erstmals als Zierpflanze eingebracht und anschließend zu Zwecken des Gartenbaus in Deutschland verbreitet. Mit Parkanlagen sowie Privatgärten als Ursprung verwildert die amerikanische Kermesbeere durch Fernausbreitung durch Vögel und Wasser. Das Ausbreitungspotenzial ist aufgrund der Samenmenge hoch (Nehring et al. 2013).

Ausbreitung in NRW
Aktuell ist die Amerikanische Kermesbeere in allen Bundesländern selten, aber kleinräumig vorhanden, womit sie in Deutschland als etabliert gilt (Stand 2013). Besonders im Südwesten Deutschlands bilden sich in Nadelholzwäldern flächendeckende Bestände aus (BfN 2013). In angrenzenden Ländern (Frankreich, Niederlande, Schweiz) bestehen ebenfalls etablierte Vorkommen (Nehring et al. 2013). In Grube 7 (Kreis Mettmann) wurde die Amerikanische Kermesbeere auf einer Brache oberhalb des Klärteichs nachgewiesen (Adolphy 2004), im Kreis Recklinghausen am Bahnhof Deuten (Bochumer Botanischer Verein e.V. 2013).
Es ist anzunehmen, dass die Amerikanische Kermesbeere als mesophile, frostempfindliche Art durch Fortschreiten des Klimawandels Standorte mit steigenden Temperaturen (vor allem im Winterhalbjahr) in ganz NRW längerfristig bewachsen kann (Balogh/Juhász 2008).
 

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