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Chinesischer Muntjak (Muntiacus reevesi)

Invasivität

aktualisiert am: 18.09.2019

Auswirkungen auf Flora und Fauna

Der Chinesische Muntjak ist wesentlich stärker mit Waldhabitaten assoziiert als andere Rotwild-Arten und kann durch sein Fressverhalten zu Veränderungen von Vegetationsstrukturen, Artenzusammensetzungen und letztendlich zu einem Verlust der Biodiversität beitragen (Fuller & Gill 2010). In Großbritannien sind bereits diverse negative Auswirkungen bei hohen Abundanzen des Chinesischen Muntjaks nachgewiesen worden. So führte der selektive Fraß von Jungpflanzen zu einer verzögerten Sukzession und Regeneration betroffener verholzender Pflanzen in einem Niederwald (Cooke & Lakhani 1996). Insbesondere konnte ein negativer Effekt auf den Wuchs von Hasel (Corylus avellana), Feld-Ahorn (Acer campestre) und Esche (Fraxinus excelsior) beobachtet werden (Cooke & Farrel 2001). Auch die Brombeere (Rubus fruticosus) wurde von dem Chinesischem Muntjak stark befressen. Zudem zeigte sich ein negativer Effekt auf die Krautschicht: während Vitalität, Reproduktion und Abundanzen häufiger sowie seltener krautiger Pflanzen abnehmen, ist bei Gräsern und Seggen eine Zunahme zu verzeichnen (Cooke & Lakhani 1996, Cooke 1997, Cooke & Farrell 2001). Diese werden meist von den Chinesischen Muntjaks gemieden oder reagieren toleranter gegenüber der Beweidung durch die Muntjaks (Cooke & Farrell 2001). So kommt es zu einer Dominanzbildung von Gräsern im Unterwuchs von Wäldern (Cooke & Lakhani 1996).
Diese Veränderungen der Vegetationsstrukturen bringen zudem Auswirkungen auf die Fauna der betroffenen Gebiete mit sich. Besonders Invertebraten werden indirekt durch das Wegfallen bestimmter Pflanzenarten negativ beeinflusst, wenn diese z.B. als spezifische Futterpflanzen oder Eiablageplätze dienen (Pollard & Cooke 1994). Arten, welche auf bestimmte Gräser angewiesen sind, nehmen hingegen zu (Cooke & Farrell 2001). Auch negative Auswirkungen auf Waldvogelarten und kleinere Säugetiere werden in Großbritannien vermutet. Der Verlust niedriger verholzter Vegetationsstrukturen, die als Nistplätze, Futterplätze und Unterschlupf dienen, bedeutet eine verringerte Habitatqualität für diese Arten (Flowerdew & Ellwood 2001, Fuller et al. 2005, Gill & Fuller 2007, Fuller & Gill 2010).
Der Chinesische Muntjak steht weiterhin in Habitat- und Nahrungskonkurrenz mit dem einheimischen Reh (Capreolus capreolus). In Großbritannien können zunehmende Bestände und Verbreitung des Chinesischen Muntjaks verzeichnet werden, wobei diese die Habitate des Rehs kolonisieren (Hemami et al. 2005). Nach Etablierung und Populationszuwachs des Muntjaks konnte ein Populationsrückgang sowie ein Rückgang von Durchschnittsgewicht und Fruchtbarkeit von Rehen beobachtet werden (Fuller & Gill 2001). Ob dies langfristig zu einer Verdrängung des Rehs führen kann, ist ungewiss. Nahrungskonkurrenz liegt vor allem im Winter vor, da sich beide Arten dann größtenteils von der Brombeere ernähren (Hemami et al. 2004).

 

Wirtschaftliche Auswirkungen

Der Chinesiche Muntjak verursacht geringe lokale Schäden in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Obstbau durch Fraß (Putman & Moore 1998). Besonders in der Forstwirtschaft sind Schäden aufgrund der Beeinträchtigung der Regenerationsfähigkeit durch das Fraßverhalten der Art zu verzeichnen (Cooke & Farrell 2001). Es sind bisher allerdings keine signifikanten Auswirkungen bekannt. Der wirtschaftliche Schaden scheint in den meisten Fällen sehr gering zu sein und ist daher zu vernachlässigen (Putman & Moore 1998).

 

Auswirkungen auf menschliche Gesundheit

keine bekannt

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