Neobiota
Sie sind hier: Startseite Neobiota > Artenlisten > Kanadagans (Branta canadensis canadensis)

Kanadagans (Branta canadensis canadensis)

Invasivität

aktualisiert am: 06.03.2019

Auswirkungen auf Flora und Fauna

Größere Gänsetrupps können Schilfröhrichte durch Fraß schädigen. Dies gilt sowohl für Kanada- als auch für Graugans. Da gleichzeitig meist auch Bisam und/oder Nutria beteiligt sind, lassen sich die Röhrichtschäden jedoch nicht immer den Gänsen eindeutig zuordnen. Der Verlust von Röhrichten wirkt sich negativ auf Röhrichtvögel wie Rohrammer oder Teichrohrsänger aus.

Negative Auswirkungen auf heimische Vogelarten in NRW könnten außerdem in der Konkurrenz zur Graugans bestehen, die eine ähnliche ökologische Nische besetzt. Bislang ist jedoch nicht beobachtet worden, dass die Kanadagans die Graugans verdrängt. Da die Graugansbestände derzeit ebenfalls expandieren, ist keine Gefährdung zu erkennen.

 

Wirtschaftliche Auswirkungen

Lokal werden landwirtschaftliche Schäden gemeldet. Eine artspezifische Erfassung von durch Gänsen verursachten Fraßschäden erfolgte jedoch bisher nicht. So lassen sich die Schäden derzeit nicht näher beziffern.

Kanadagänse brüten häufig in großer Anzahl auf den sogenannten Artenschutzinseln von Abgrabungsgewässern.. Die flugunfähigen Jungvögel und die mausernden Altvögel nutzen in der Hauptbadesaison kurzrasige Liegewiese und Spielplätze an den Ufern als Äsungsflächen, die dadurch stark mit Kot verunreinigt werden und Ekel hervorrufen. Außerdem kann an Badegewässern mit größeren Wasservogelbeständen Zerkarien-Dermatitis (s.u.) bei Badenden eine ungefährliche jedoch lästige Hautkrankheit auftreten. Um der Verkotung vorzubeugen werden größere Kanadagansbestände an Badegewässern, z.B. in Duisburg und Krefeld, mit verschiedenen Methoden vergrämt.

 

Auswirkungen auf menschliche Gesundheit

Kanadagänse sind wie Enten und andere Wasservögel Endwirte eines Trematoden oder Saugwurms  namens Trichobilharzia ocellata, welcher Süßwasser-Lungenschnecken als Zwischenwirt nutzt. Vom Zwischenwirt ins warme Flachwasser entlassen nehmen die Larven des Saugwurms, sogenannte Zerkarien, irrtümlich auch den Menschen als Wirt an, können aber die menschliche Haut nicht durchdringen. Bei den Badenden kann dies ungefährliche, jedoch lästige Hauterkrankungen auslösen. Beim ersten Kontakt mit den Larven entsteht nur eine geringe Hautreaktion. Erst beim zweiten Mal kommt es zu einer stärkeren Abwehrreaktion mit den typischen Beschwerden Quaddelbildung und Juckreiz. (Zerkarien-Dermatitis(-Vorbeugung)).

Ein besonderes Thema ist die Flugsicherheit. Mit steigenden Bestandszahlen geht von den Gänsen und Halbgänsen ein zunehmendes Vogelschlagrisiko aus. Hierbei rückt zunehmend die Kanadagans in den Mittelpunkt. Ansiedlungen der Kandagans im Umfeld der Flughäfen von Düsseldorf und Köln-Bonn  sind zu beobachten. Insbesondere wenn sich ungünstige Verteilungen von Brut- und Nahrungshabitaten ergeben, so dass Pendelflüge im Bereich der Start- und Landekorridore entstehen, ergeben sich aufgrund der hohen Körpermasse von Kanadagänsen hohe Gefahrenpotenziale im Luftverkehr.

LANUV NRW 2021 nach oben