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Schneegans (Anser caerulescens)

Kurzbeschreibung

aktualisiert am: 09.09.2015

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten

Die Schneegans ist (nach Kolbe 1999 und Bauer et al. 2005) 66-84 cm groß und wiegen 1,8 bis 3,4 kg, wobei die Männchen geringfügig schwerer als die Weibchen werden.Ihre Flügelspannweite beträgt 132-165 cm. Von dieser Gans gibt es zwei Farbvarianten (Morphen): weiße und dunkle („blaue“). Vögel der weißen Morphe sind bis auf die schwarzen Handschwingen rein weiß. Sie können allenfalls mit der nahe verwandten Zwergschneegans und weißen Hausgänsen verwechselt werden. Von den Hausgänsen unterscheiden sie sich durch die schwarzen Handschwingen und einen kleineren Schnabel mit einem auffälligen Spalt. Die Unterscheidung von der in Deutschland nur als Irrgast oder Gefangenschaftsflüchtling auftretenden Zwergschneegans ist schwieriger. Diese ist kleiner und kurzhalsiger, hat einen runderen Kopf und einen kürzeren, an der Basis grünlich blauen Schnabel. Individuen der dunklen Morphe können nicht mit natürlicherweise in Deutschland vorkommenden Gänsearten verwechselt werden, sondern nur mit Neozoen. Lediglich die sehr seltene dunkle Morphe der Zwergschneegans (Unterscheidung durch Größe und Gestalt s.o.) und die Kaisergans sind recht ähnlich. Letztere hat jedoch ein einheitlich graueres Gefieder und eine scharf schwarz (vorne) und weiß (Seiten und hinten) abgesetzte Halszeichnung. Außerdem ist der Schnabel sehr klein und an Basis und Spitze schwarz.

 

Lebensraum

Die einzige beständigeSchneeganspopulation Deutschlands lebt an einem ca. 2,8 ha großen Parkgewässer im Westen der Stadt Neuss, auf dem sich eine etwa 0,1 ha große bewaldete Insel befindet. An den meisten Uferbereichen schließen sich Wiesenflächen an, die von den Gänsen extrem kurz gehalten werden. Durch Parkbesucher erfolgte eine Zufütterung mit Brot, was mittlerweile untersagt ist .

 

Biologie

Schneegänse werden zwar mit zwei Jahren geschlechtsreif, brüten aber wohl erstmals im Alter von drei bis vier Jahren. Die in der Regel monogamen Paare nisten meist in Kolonien (Kolbe 1999, Bauer et al. 2005). In der Regel wird das Nest in einer kleinen, gescharrten Mulde angelegt. Während das Weibchen brütet wacht das Männchen in der Nähe und alarmiert das Weibchen bei Gefahr. Die Gelegegröße beträgt meist 4-6, in Ausnahmefällen 2-10 Eier. Die Jungen schlüpfen nach 23-25 Tagen und werden von beiden Eltern geführt. Im Alter von 40-50 Tagen werden die Jungen flügge, bleiben aber noch bis in den Winter hinein im Familienverband (del Hojo et al. 1992, Kolbe 1999, Bauer et al. 2005). Im natürlichen Verbreitungsgebiet schließen sich die Vögel zu großen Schwärmen zusammen und fliegen in die südlich gelegenen Winterquartiere. Auch von der im Rahmen eines Forschungsprojektes fast vollständig mit Farbringen gekennzeichneten Neusser Population sind Wanderungsbewegungen bis nach Norditalien bekannt geworden. Außerdem wurden u.a. die Niederlande, Großbritannien, Polen, Schweden, Norwegen, Finnland und Russland aufgesucht. Bislang waren dies jedoch vielfach einmalige Ereignisse und eine feste Zugtradition hat sich noch nicht etabliert (Homma & Geiter unpub.). Im Zeitraum Juli bis August findet bei den Altvögeln die Vollmauser statt, wobei die Schneegänse ca. drei Wochen lang flugunfähig sind (Kolbe 1999, Bauer et al. 2005). Die Nahrung besteht zur Brutzeit überwiegend aus Gräsern und Kräutern. Im Winter werden auch Wurzelstücke und Rhizome aus der Erde gerissen und Erntereste und Gemüsepflanzen auf Äckern gefressen (Del Hojo et al. 1992, Kolbe 1999, Bauer et al. 2005).

Ausgewachsene Schneegänse haben in Deutschland kaum Feinde. Am Boden befindliche Gelege können vom Fuchs gefressen werden. Dagegen können Küken vielen Beutegreifern zum Opfer fallen (Krähen, Greifvögel, Raubsäuger).

 

Herkunft und Einwanderungsweg

Die Schneegans brütet in Tundren vom nordwestlichen Grönland über das nördliche Kanada bis in das nordöstliche Sibirien hinein. Den Winter verbringen sie in verschiedenen Regionen in den USA und wenige Individuen auch in Mexiko. In Japan hat sich nach vorübergehendem Verschwinden wieder ein kleiner Winterbestand etabliert. Während die Bestände in Sibirien stark rückläufig sind, sind sie in Nordamerika deutlich angestiegen (Del Hojo et al. 1992). Der europäische Gesamtbestand ist mit 200-2.000 Brutpaaren recht klein und kommt natürlicherweise nur in Westgrönland vor (BirdLife International 2004). Dies ist nur ein sehr geringer Anteil am Weltbestand, der 5,3 bis 6,2 Mio. Individuen umfasst (Wetlands International 2012). In West- und Mitteleuropa waren Schneegänse bis in das 19. Jahrhundert hinein regelmäßige Wintergäste, verschwanden aber, als die zentralsibirische Population erlosch (Bauer et al. 2005). Heutzutage treten Schneegänse nur noch als Irrgäste aus der nordamerikanischen Population auf. So wurden im April 1980 18 Individuen mit einem in Kanada beringten Vogel in den Niederlanden gesichtet (Blankert 1980). Auch in Belgien wurden Wildvögel beobachtet (Bauer et al. 2005). Die meisten in Mitteleuropa auftretenden Schneegänse stammen jedoch aus Gefangenschaft und sind entweder entflogen oder freigesetzt worden (Bauer et al. 2005).

  

Verbreitung in NRW

Die einzige beständigeSchneeganspopulation Deutschlands lebt an einem ca. 2,8 ha großen Parkgewässer im Westen der Stadt Neuss. Der Brutbestand schwankte in den Jahren 2005-2010 zwischen vier und sieben Brutpaaren. Bis 2012 ist der Bestand auf 100 Individuen angewachsen.  

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Altvogel der weißen Morphe mit schwarzen Handschwingen und breitem Schnabelspalt, Foto:S. Sudmann

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Mischling aus weißer und dunkler Morphe, Foto:S. Sudmann

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Im Flug sind die schwarzen Handschwingen deutlich zu sehen; Foto:S. Sudmann

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Typischer Altvogel der dunklen Morphe mit weißem Kopf (rechts) und einem Jungvogel (links), Foto:S. Sudmann

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