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Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris)

syn.: Arion lusitanicus

Kurzbeschreibung

aktualisiert am: 28.06.2016

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten

Die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) ist als ausgewachsenes Tier gestreckt kriechend 7 bis 14 cm lang. Die Körperfarbe ist sehr variabel und reicht von braun über rotbraun, rot, orange, grau und grüngrau bis schwärzlich. Der Fußsaum ist leicht orange oder gleich gefärbt wie der Rest des Körpers. Die Sohle ist meist dunkelgrau. Der Schleim ist farblos. Die Art ist im Vergleich zur heimischen Roten Wegschnecke (Arion rufus) feiner gerunzelt und straffhäutiger. Die Atemöffnung befindet sich auf der rechten Seite vor der Mantelschildmitte. Der Kopf und die zwei Fühlerpaare sind dunkler als der Rest des Körpers. Die Augen befinden sich an den Spitzen der oberen Fühler. Die Spanische Wegschnecke kann sehr leicht mit der Roten Wegschnecke (Arion rufus) verwechselt werden. Erwachsene Tiere von Arion vulgaris können sicher nur durch anatomische Untersuchungen (Sektion) von Arion rufus unterschieden werden. Hier ist eine Unterscheidung anhand der Struktur der Geschlechtsmerkmale möglich. Die Jungtiere lassen sich im Gegensatz dazu verhältnismäßig gut unterscheiden. Arion rufus ist zumeist einfarbig mit einem dunklen Kopf und weist keine oder nur blasse Binden auf. Die Jungtiere von Arion vulgaris sind auffällig bunt und kräftig gebändert.
 

Lebensraum

Die Spanische Wegschnecke besiedelt alle Lebensräume des Offenlandes bzw. Kulturgeländes. Meistens handelt es sich um linienhafte Biotope wie Weiden- und Ackerrandsäume, Bachuferstaudenfluren und Feldhecken. Im Siedlungsraum tritt die Art besonders häufig in Gärten, Friedhöfen und an Bahndämmen auf. In geschlossenen Wäldern kann sich die Spanische Wegschnecke nicht dauerhaft etablieren. Hier wird sie über Forstfahrzeuge eingeschleppt, kann dort aber nur vorübergehend überleben. Linienhafte und kleinflächige Wälder werden hingegen besiedelt. Auch im Bereich der Waldränder und in Säumen breiter Waldwege kommt die Art vor. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Spanische Wegschnecke in Nordrhein-Westfalen fast alle terrestrischen Lebensräume zu besiedeln vermag (vgl. KAPPES & KOBIALKA 2009). Davon sind nur große, geschlossene Waldgebiete und große Ackerflächen ausgeschlossen.

 

Biologie

Die Spanische Wegschnecke ernährt sich in erster Linie von Pflanzen, verschmäht aber tote Tiere und Kot nicht. Zu den Pflanzenarten, die sie besonders bevorzugt gehören Raps, Klatschmohn, Gemeines Hirtentäschchen, Ackertaubnessel und die Tagetes (vgl. BOSCHI 2011, WIESE 1999). Die Spanische Wegschnecke ist zwittrig, hat also männliche und weibliche Geschlechtsorgane. In der Regel pflanzt sie sich durch gegenseitige Begattung fort. Vermutlich kommt es in seltenen Fällen auch zur Selbstbefruchtung. Bei der Paarung umkriechen sich die Tiere und beraspeln bzw. „belecken“ sich. Zum Paarungsakt liegen die Tiere halbkreisförmig mit stark angeschwollenen Geschlechtsvorhöfen zusammen. Samenpakete werden wechselseitig innerlich übertragen (WIESE 1999). Die Eiablage erfolgt in der Regel von Mitte August bis Ende Oktober. Im Laufe ihres einjährigen Lebens legt die Spanische Wegschnecke bis zu 400 Eier in den Boden, in Regenwurmgänge, unter Steine, unter Moos oder unter dicke Streuschichten. Die runden Eier sind weißlich und haben einen Durchmesser von 3-4 mm (REICHHOLF & STEINBACH 1992). Die Eier entwickeln sich innerhalb weniger Wochen (je nach Temperatur und Feuchtigkeit). Die Jungschnecken wachsen schnell heran. Bei sehr günstigen Bedingungen können sogar zwei Generationen im Jahr hervorgebracht werden. Wie alle Nacktschneckenarten kann auch die Spanische Wegschnecke vor allem im Frühling und von Spätsommer bis Herbst beobachtet werden. In Zeiten trockener Witterung findet man sie kurz nach Sonnenaufgang, am Abend und nachts. Bei feuchtem Wetter ist die Art auch tagsüber aktiv. Der Feinddruck auf die großen Wegschneckarten ist vor allem wegen des zähen Körperschleimes begrenzt. Gefressen werden hauptsächlich Eier und Jungschnecken (vgl. FALKNER 1984, WIESE 1999).

 

Herkunft und Einwanderungsweg

Die Spanische Wegschnecke erscheint in der Literatur unter dem wissenschaftlichen Namen Arion vulgaris (MOQUIN-TANDON 1855) und Arion lusitanicus J. MABILLE 1868. Arion lusitanicus ist eine endemische Art von Zentral Portugal , die niemals aus ihrem Ursprungsgebiet verschleppt wurde (CASTILLEJO 1997). Der Name Arion lusitanicus wurde nach 1956 auf die Art angewendet, die sich in Mitteleuropa auszubreiten begann und zunächst in Frankreich und der Schweiz (vgl. TURNER et al. 1998) auftrat. Erst 1997 wurde erkannt, dass die Artbestimmung ein Irrtum war und dass die Schnecke zu einer bis dahin kaum bekannten Art aus Westfrankreich gehört, die 1855 als Arion vulgaris beschrieben worden war. Die Art kam ursprünglich vermutlich in Westfrankreich oder Südwestfrankreich und möglicherweise auf der Iberischen Halbinsel vor und hat sich seit den 1970er Jahren rasant in Mitteleuropa verbreitet. Da sich die exakte Identität dieser Art wegen früherer Verwechslungen erst jetzt herausgestellt hat, wird sie nun unter dem Namen Arion vulgaris geführt. Die Spanische Wegschnecke wurde in Deutschland erstmalig in Baden-Württemberg im Jahr 1969 durch SCHMID (1970) nachgewiesen.

 

Verbreitung in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen wurde sie erstmalig 1990 in Köln beobachtet (TAPPERT 1996). Seit dem Jahr 2000 läuft eine landesweite Kartierung der Schnecken- und Muschelfauna durch den Arbeitskreis Mollusken. Im Rahmen dieser Erfassung konnte eine flächendeckende Verbreitung der Spanischen Wegschnecke in Nordrhein-Westfalen dokumentiert werden. Etwa 10 % der ca. 1600 Nachweise (Stand 19.11.2012) erfolgte durch eine Bestimmung nach anatomischen Merkmalen; sprich Sektion. Der Rest der Nachweise erfolgte durch die Bestimmung von Jungtieren nach äußeren Merkmalen.

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Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), erwachsenes Tier, Foto: H. Kappes

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Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), Jungtier, Foto: H. Kappes

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Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), Jungtier, Foto: H. Kappes

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