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Späte Traubenkirsche (Prunus serotina)

Maßnahmen

aktualisiert am: 11.09.2017

Prävention

Auch wenn bei Präventionsmaßnahmen eine potentielle Ausbreitung durch Vögel aus einem weiten Umkreis miteinbezogen werden muss, stammen doch die meisten Ansiedlungen von Anpflanzungen in der direkten Nachbarschaft ab. Daher muss auf solche Pflanzungen in der Nähe von naturschutzrelevanten Gebieten verzichtet werden. Angesichts der Schäden in Natur und Landschaft und in der Forstwirtschaft sollte auf die Anpflanzung der Späten Traubenkirsche generell verzichtet werden. Sie sollte aus den Sortimenten der Baumschulen entfernt werden.

Die Etablierung der Späten Traubenkirsche in noch unbesiedelten Gebieten sollte durch regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls Entfernen der Jungpflanzen unterbunden werden.

Eine Nutzungsänderung der lichten Kiefernforste hin zu standortgerechten Laubwäldern stellt möglicherweise ebenfalls eine langfristige Perspektive für das Zurückdrängen der Späten Traubenkirsche dar. Sollten keine standörtlichen oder naturschutzfachlichen Gründe dagegen sprechen, bietet es sich gerade bei älteren Kiefern- oder Eichenbeständen an, diese mit hohen Anteilen von Buchen voranzubauen, da Prunus serotina als Halbschattbaumart unter der Schattbaumart Buche keine Chance zu Wachstum und Etablierung hat.

Um eine progressive Ausbreitung durch Wurzelbrut zu vermeiden bietet sich außerdem an, 10 bis 30 Meter breite Buchenriegel anzulegen. Dicht schattende Buchenstreifen stoppen nicht nur die Wurzelbrut, sondern bieten in entsprechendem Alter auch einen gewissen Schutz vor Sameneinträgen der Späten Traubenkirsche.

 

Bekämpfung

Die Späte Traubenkirsche ist heute bundesweit in den bereits genannten Lebensräumen fest eingebürgert, sodass die vollkommene Ausrottung der Art aussichtslos ist. Anzustreben ist eine planvolle Reduzierung der vorhandenen Bestände. Behördlichen Bekämpfungsmaßnahmen sollten stets eine Kartierung der Verbreitung und überörtliche Abstimmungen der Maßnahmen vorausgehen. Zur Verfügung stehende Ressourcen (Arbeitskräfte, Finanzmittel)  müssen auf die Bekämpfungsziele abgestimmt sein. Im Sinne der Nachhaltigkeit  muss die erforderliche Nachbearbeitung über einige Jahre nach der Erstbekämpfung gewährleistet sein. Alle behandelten Flächen sind auf mögliche Neuansiedlungen aus der Samenbank bzw. durch Vögel in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

 Priorität sollten Bekämpfungsmaßnahmen haben

  • in Gebieten oder in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gebieten mit seltenen und gefährdeten Arten / Biotopen
  • in Gebieten, in denen die Späte Traubenkirsche mit Einzelexemplaren neu angekommen ist
  • in Gebieten mit sehr geringem Befall
  • von fruchtenden Solitärbäumen
  • in Befallsinseln

Für die Bekämpfung bzw. Zurückdrängung kommen mechanische, waldbauliche sowie chemische und biologische Methoden in Betracht. Ein bloßes Absägen der Gehölze ohne eine nachfolgende Behandlung führt aufgrund des hohen Regenerationspotentials der Art nicht zum Erfolg. Die als Folge entstehenden Stockausschläge verschärfen das Problem noch durch dichteren Wuchs und wahrscheinlich sogar durch Erhöhung der Fruchtbildung (www.prunus-serotina.de). Auch mehrmaliges Absägen ist nicht erfolgreich.

Ringeln ist bei älteren Späten Traubenkirschen (BHD>10cm) ein vergleichsweise kostengünstiges und wirksames Bekämpfungsmittel. Dazu wird auf Brusthöhe auf einer Länge von ca. 20 cm die Borke und die Rinde samt Kambium bis auf das Splintholz entfernt. Wichtig ist, dass keine Brücke im Bastgewebe stehen bleibt und der Saftstrom komplett unterbrochen wird . Teilweise müssen in den Folgejahren Austriebe unterhalb der Ringelstelle abgeschlagen oder abgeknickt werden. Nach wenigen Jahren ist die Pflanze ausgezehrt und stirbt ab. Das Holz kann dann bodennah abgesägt und als Brennholz vermarktet werden. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass sie sehr bodenschonend ist, kein Wiederaustrieb nahe des Bodens vorkommt und weitere Maßnahmen flexibel angewendet werden können.

Das Ausreißen junger Pflanzen von Hand, durch Pferde oder Schlepper ist prinzipiell möglich, der Erfolg muss jedoch kontrolliert werden, da im Boden verbleibende Wurzelstücke wieder zu vollständigen Pflanzen heranwachsen können. Entsprechend problematisch ist das maschinelle Entfernen älterer Pflanzen z. B durch Mulcher. Mechanische  Bekämpfungsmaßnahmen, die den Boden verletzen, können indirekt sogar zur Verschärfung des Problems führen, da die Samen der Späten Traubenkirsche an den entstandenen offenen Stellen gute Keimungsbedingungen vorfinden und sich auf den geöffneten Böden erst massenhaft entfalten. 

Über eine erfolgreiche mechanische Bekämpfung von Einzelstämmen wurde aus dem Kreis Borken berichtet. Hiernach lassen sich die Traubenkirschen erfolgreich durch Absägen in Brusthöhe oder durch Abschlagen mit dem Haumesser bekämpfen und durch Abreißen oder Abschneiden des Wiederaustriebs an der Schnittstelle zum Absterben bringen. Häufig stirbt der Stamm schon nach der ersten Nachbehandlung ab, nach dem zweiten Abschneiden des Wiederaustriebs ist der Baum spätestens tot.

Unter den Herbiziden am geeignetsten zum Einsatz gegen die Späte Traubenkirsche sind Glyphosat-haltige Totalherbizide. Sie werden entweder in Verdünnung flächenhaft auf die Blätter aufgesprüht oder unverdünnt auf Schnittflächen aufgestrichen. Glyphosate sind systemische Gifte, die über die Blätter  bzw. Schnittflächen aufgenommen werden und unselektiv alle Pflanzen abtöten.  Die flächenhafte Spritzung sollte nicht nach einer vorherigen mechanischen Bekämpfung erfolgen, da das Verhältnis des Blattwerkes an Stockausschlägen zu den unterirdischen Organen ungünstig ist. Hierdurch werden höhere Herbiziddosen notwendig. Beim flächenhaften Spritzen werden alle Pflanzen abgetötet. Da die Vernichtung der Vegetation sowie die Giftbelastung der Tiere eine starke Belastung des Ökosystems darstellt,  muss bei entsprechendem Gifteinsatz die Nachhaltigkeit der Bekämpfung unbedingt gewährleistet sein. Dies setzt eine Kenntnis der Traubenkirschenverbreitung im Umfeld (Kartierung!) und ein planvolles Vorgehen voraus. Eine Zustimmung der Schwerpunktaufgabe Waldschutzmanagement des Landesbetriebs  Wald und Holz im Benehmen mit der ULB sollte eingeholt werden. Die Vorgaben von Schutzgebietsverordnungen sind zu beachten. Das Bekämpfungsziel muss klar formuliert und realistisch erreichbar sein. Eine Nachbearbeitung in den Folgejahren muss gewährleistet sein. Die Beeinträchtigung von Amphibienbeständen durch Anwendung an Wasserflächen muss vermieden werden. Um Wiederholungsspritzungen zu vermeiden, sollten neu aufkeimende Jungpflanzen nach Möglichkeit von Hand ausgerissen werden.  Zur Behandlung von Einzelbäumen sind die Stämme direkt vor der Samenreife im August / September in Brusthöhe abzusägen. Das unverdünnte Gift ist auf die Schnittstellen der Stümpfe oder auf Einkerbungen aufzutragen. Dieses Verfahren ist umweltverträglicher als das Spritzen, da gezielt die Traubenkirschen getroffen werden und die übrige Vegetation geschont wird.

Als biologische Bekämpfung wurde der Einsatz des heimischen Violetten Knorpelschichtpilzes (Chondrostereum purpureum) getestet, der Weißfäule ("Bleiglanzkrankheit") verursacht. Hierzu werden die Bäume abgesägt oder geringelt und die Wundflächen mit einer Myzelsuspension des Pilzes infiziert. Die Einschätzung des Erfolgs einer solchen Anwendung kann noch nicht endgültig beurteilt werden. Während die Behandlung in den Berliner Forsten erfolgreich angewandt wurde, soll die Methode nach anderer Bewertung insgesamt wenig wirksam sein. Gegen diese Methode spricht, dass der Pilz auch auf einheimische oder kultivierte Prunus-Arten wie Kirsch- und Pflaumenbäume übergehen kann, weswegen ein Sicherheitsabstand zu Obstplantagen, Gärten und Hecken von mindestens 500 m eingehalten werden soll (DE JONG et al. 1990, 1998).

Späte Traubenkirschen werden von Robustrinderrassen wie Galloways oder Schottischen Hochlandrindern und Ziegen verbissen. Sofern realisierbar kann eine Beweidung zur Zurückdrängung von Später Traubenkirsche in Betracht gezogen werden.

Eine langfristige Strategie der Zurückdrängung der Späten Traubenkirsche im Wald ist der Anbau schattentoleranter Gehölze, wie Buche, Linde oder Hainbuche. Die Schattbaumarten wachsen unter dem Schirm älterer Traubenkirschen, die nicht mehr so dicht schließen heran und dunkeln diese nachfolgend aus (ANNIGHÖFER & AMMER 2015). Auch durch Naturverjüngung schattentoleranter heimischer Baumarten können aus Traubenkirschen-Dominanzbeständen Mischwälder heimischer Gehölze entstehen, vorausgesetzt der Schalenwildverbiss wird durch Gatterung ausgeschaltet (HAMM, HUTH & WAGNER 2015). 

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