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Robinie (Robinia pseudacacia)

Scheinakazie, Falsche Akazie

Kurzbeschreibung

angelegt am: 25.03.2010

Aussehen

Die Robinie ist eine im Bestand bis etwa 30 m hoch werdende, winterkahle Baumart mit offener, unregelmäßig verzweigter Krone und einer dicken, graubraunen, tief längs gefurchten Borke. Vor allem die Langtriebe tragen paarige, etwa 2 cm lange Dornen, die morphologisch umgewandelte Nebenblätter darstellen und nach dem Blattfall am Zweig verbleiben. Die 15-30 cm langen Blätter besitzen 3-12 dünne Fiederblattpaare und zusätzlich ein Endblättchen. Die elliptischen Fiederblättchen sind etwa 2-6 cm lang und 1-3 cm breit. Sie können zumindest im jungen Baumalter Bewegungen ausführen und so bei hoher Lichteinstrahlung senkrecht, bei mittlerer Einstrahlung waagerecht stehen. Bei Dunkelheit nehmen die Fiederblättchen durch Herabhängen eine Schlafstellung ein. Der Laubaustrieb erfolgt relativ spät im Jahr, erst danach beginnt im Mai und Juni die Blütezeit. Die weißen Blüten stehen zu 10-25 in 10-25 cm langen hängenden, dichten Trauben. Sie duften intensiv und angenehm, enthalten sehr viel Nektar, weshalb sie eine wertvolle Bienenweide darstellen. Die Früchte sind 5-10 cm lange und 1-2 cm breite, abgeflachte Hülsen. Sie reifen gegen Ende Oktober und sind dann braun bis rotbraun. Die 4-10 nierenförmigen Samen werden oft erst in den Wintermonaten aus den Hülsen entlassen.

Da nur wenige weitere Robinien-Arten gepflanzt werden und diese in der Regel in rötlichen Farbtönen blühen, ist Robinia pseudoacacia nicht verwechselbar.

 

Lebensraum

In ihrer nordamerikanischen Heimat ist die Robinie an relativ feuchtes Klima mit heißen Sommern und milden Wintern angepasst. Lockere, lehmige Böden gelten als optimale Standorte. Sie toleriert  ein weit darüber hinaus gehendes Standortspektrum und zeigt sogar eine hohe Toleranz gegenüber Salzgehalt im Boden, meidet aber verdichtete, staunasse Böden. Aufgrund ihres tiefgreifenden und oberflächig weitstreichenden Wurzelsystems kann sie gut an sehr trockenen Standorten gedeihen und Trockenperioden überstehen. Robiniengehölze bilden als Pioniergesellschaften in ihrer Heimat Vorwaldgesellschaften, die aufgrund von Sukzession schon nach 20 bis 30 Jahren von Schattenbaumarten wie Ahornarten, Eschen und Ulmen abgelöst werden. In Deutschland bleiben Robinienbestände nach bisherigen Beobachtungen dagegen sehr viel länger beständig. Inwieweit und in welche Richtung sie sich weiterentwickeln, ist noch unklar.

In Deutschland wächst und verwildert sie besonders in den Weinanbaugebieten, sie tritt hier vorwiegend in trocken-warmen Forst- und Waldgesellschaften auf und dringt von Anpflanzungen aus in angrenzende Lebensräume. Als Licht liebende Pionierart verwildert die Robinie außerdem gerne an Straßenböschungen und Bahndämmen. Im städtischen Bereich kann sie auf Brachen zur dominierenden Baumart werden.

 

Biologie

Die Robinie wächst in der Jugend außerordentlich schnell und stellt dann mit 30 bis 40 Jahren ihr Höhenwachstum ein. Die Bäume werden nicht besonders alt. Als Höchstalter wird häufig etwa 100 Jahre angegeben, einzelne Exemplare können aber durchaus auch 200 Jahre alt werden. Typisch für die Art ist das sehr intensive Regenerations- und Ausbreitungsvermögen. Bei Verletzung oder Abschlagen der Stämme reagieren Robinien mit Bildung von Stockausschlägen. Aus den flachstreichenden Oberflächenwurzeln entstehen außerdem neue Triebe, die sog. Wurzelbrut, wodurch sich die Robinie an Ort und Stelle stark vegetativ ausbreitet. Robinien können bereits im Alter von 6 Jahren Samen bilden. Die Früchte werden mit dem Wind ausgebreitet. Auch wenn sie häufig bis in den Winter am Baum hängen bleiben und erst bei Winterstürmen abfallen, ist die Fernausbreitung nicht sonderlich effektiv. Entfernungen von 100 Meter werden dabei kaum überschritten. Eine regelmäßige Ausbreitung durch Tiere erfolgt nicht. Die Samen bauen im Boden eine Samenbank auf und bleiben lange keimfähig. Die Keimung ist lichtabhängig. Die Robinie ist gut winterhart, doch können sehr tiefe Fröste und Frühfröste Schäden hervorrufen.

Wie alle Hülsenfrüchtler (= Schmetterlingsblütler) lebt die Robinie in Symbiose mit Knöllchenbakterien der Gattung Rhizobium, die in den Wurzeln der Pflanze in der Lage sind, Luftstickstoff (N²) zu binden. Auf diese Weise machen Stickstoff auch für die Pflanze verfügbar. Da Stickstoff zu den wichtigsten Pflanzennährstoffen gehört und einen Mangelfaktor darstellt, erlangt die Robinie so die wichtige Fähigkeit, nährstoffarme Standorte zu besiedeln.

 

Herkunft und Einwanderungsweg

Die Robinie stammt aus dem Inneren des östlichen Nordamerikas. Natürlicherweise kommt sie dort in zwei Teilarealen vor. Das östliche hat sein Zentrum in den Appalachen, wo die Art zwischen 150 und 1500 m. ü. NN. ihr Optimum findet und in artenreichen Wäldern vorkommt. Das westliche Teilareal erstreckt sich über das südliche Missouri, das nordwestliche Arkansas und das östliche Oklahoma. Von Natur aus kommt die Robinie in Laubmischwäldern besserer Standorte vor.

Nach Europa wurde die Robinie möglicherweise erstmals 1601 von dem französischen Hofgärtner Ludwig des XIIIten, Jean Robin, eingeführt, nach dem die Art benannt wurde. Der erste belegte europäische Nachweis stammt aber aus dem Jahr 1634 aus England. Als Zier- und Alleebaum wurde die Robinie daraufhin schnell auch in anderen europäischen Ländern gepflanzt und war bereits um 1700 in Süddeutschland verbreitet. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verwendete man Robinien verstärkt im Forstbetrieb.

Die Robinie ist heute eine der weltweit am häufigsten angebauten Baumarten und auch in Deutschland eine der häufigsten fremdländischen Holzarten. Ihr dauerhaftes Holz ist hart, zäh und elastisch. Keines der in Mitteleuropa angebauten Gehölze eignet sich besser für Pfähle, Pfosten oder Masten (SCHÜTT 2006). Zwar wird die Robinie auch in Deutschland aufgrund ihres Holzes angebaut, doch liegt ihre größere Bedeutung in der Verwendung als Pioniergehölz für die Erstbesiedlung nährstoffarmer Standorte ("Bodenverbesserer") als Vorbereitung für den Anbau anderer Gehölze. Wegen ihres ausgedehnten Wurzelsystems dient sie außerdem zur Befestigung von Halden und Böschungen und weiteren erosionsgefährdeten Hängen. In Städten wird die Robinie gerne als Straßen- oder Alleebaum gepflanzt, da sie relativ resistent gegenüber Industrieabgasen und Streusalz ist. Einen bedeutenden Wert hat sie außerdem als Bienenweide. Der Honig wird unter der Bezeichnung "Akazienhonig" verkauft.

 

Verbreitung in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen ist die Robinie besonders als Zierbaum weit verbreitet und in allen Großlandschaften eingebürgert. Schwerpunkte eingebürgerter Vorkommen liegen dabei deutlich im Flachland und hier besonders in den wärmebegünstigten Ballungsräumen an Rhein und Ruhr, wo die Art schon lange eine große Rolle bei Haldenbegrünungen spielt. Auf Industrie- und Bahnbrachen baut sie eigene, langlebige Dominanzbestände auf. Der mit 110 bis 120 Jahre wohl älteste Robinienbestand Nordrhein-Westfalens wächst auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Hier wurde die Art ursprünglich zur Haldenfestigung gepflanzt. Die Bestände brechen nun aufgrund ihres Alters zusammen, erneuern sich jedoch aus Wurzelbrut. Im Bergland sind Einbürgerungen der Robinie insgesamt seltener und nur an wärmebegünstigten Stellen zu beobachten.

Die Robinie wurde in Nordrhein-Westfalen vermutlich nur in geringem Ausmaß als Vorwaldart gepflanzt. In jüngerer Zeit wird der Anbau von Robinien als „Energieholz“ (Gewinnung von Brennholz bzw. Holzpellets) auch in Nordrhein-Westfalen rege diskutiert und die Eignung auf Versuchsflächen in sog. Kurzumtriebsplantagen getestet. Dabei werden die Bestände je nach Wuchsstärke in einem Rhythmus von 3-10 Jahren maschinell beerntet. Da sich die Robinie nach bisheriger Einschätzung neben bestimmten Weiden- und Pappel-Arten als gut geeignet herausstellen dürfte, ist zu erwarten, dass ihr Anbau in Zukunft landesweit eine bedeutendere Rolle spielen wird.

Vergrößern

Früchte der Robinie, Foto: V. Doerken

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