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Robinie (Robinia pseudacacia)

Invasivität

angelegt am: 25.03.2010

Invasivität

Da die Samen der Robinie nicht durch Tiere verschleppt werden, spielt die Fernausbreitung nur eine untergeordnete Rolle, sie geschieht überwiegend durch den Menschen. In Deutschland ist die Robinie heute zumindest in den wärmeren Regionen vielerorts eingebürgert und gilt aufgrund von Vorkommen in natürlichen Pflanzengesellschaften (Felsstandorte, Auwälder) als Agriophyt. Ernsthafte Probleme gehen aus Naturschutzsicht von Anpflanzungen in oder in der Nähe von Schutzgebieten des Offenlandes wie Sand- oder Kalkmagerrasen sowie Weinbergsbrachen (z. B. im Siebengebirge) aus.

 

Auswirkungen auf Flora und Fauna

Aufgrund ihrer starken vegetativen Ausbreitung wandern Robinien ausgehend von etablierten Beständen in benachbarte Lebensräume ein bzw. breiten sich in ihnen aus. Durch die Zersetzung des Robinienlaubes wird Stickstoff im Boden angereichert und es stellt sich eine Stickstoff liebende Begleitflora ein. Konkurrenzschwache Arten werden verdrängt und die Gehölzsukzession insgesamt gefördert. Zusätzlich hemmen Robinien durch allelopathische Stoffe, die aus den Wurzeln abgegeben werden, den Wuchs bestimmter konkurrierender Arten (SCHÜTT 2006). Der Boden wird durch die Humusauflage verändert und durch das Wurzelwachstum der Robinie gelockert. Das Eindringen der Robinie insbesondere in magere bzw. ertragsschwache Offenlandgesellschaften wie Magerrasen oder Weinbergsbrachen kann daher sehr schnell zu drastischen negativen Vegetationsveränderungen führen (vgl. KOWARIK 2003). Auch in Wäldern und Gebüschen trockenwarmer Standorte werden entsprechende Effekte beobachtet.

 

Wirtschaftliche Auswirkungen

Mit dem forstlichen Robinienanbau sind insbesondere positive wirtschaftliche Auswirkungen verbunden. Ihr wertvolles Holz oder auch die Boden verbessernde Wirkung kann von großer Bedeutung sein. Aufgrund der Schnellwüchsigkeit kann sie als Brennstofflieferant in Kurztriebplantagen eine zunehmend wichtige und lukrative Rolle erlangen. Daneben hat sie im Forstbetrieb eine gewisse Bedeutung als Vorwaldbaumart. In die herangewachsenen Bestände werden die Zielbaumarten gepflanzt, welche dann durch zunehmende Beschattung die Robinien in der Regel wieder unterdrücken. Nicht selten bereitet ein solcher Anbau allerdings auch Probleme, wenn sich die Bestände nicht wieder zurückentwickeln bzw. entfernen lassen.

Dagegen stehen die Kosten für stellenweise notwendige Gegenmaßnahmen, etwa für die Verjüngung anderer Licht liebender Baumarten im Bestand, z.B. Traubeneiche oder die Bekämpfung auf schutzwürdigen Offenlandstandorten.

Die Robinie ist für Nutztiere teilweise giftig. Insbesondere unter Pferden ist es schon mehrfach zu Todesfällen gekommen, wenn sie an der Rinde nagen. Hasen, Kaninchen und Ziegen nehmen dadurch hingegen keinen Schaden. Hühner wiederum vertragen keine Robiniensamen (SCHÜTT 2006, ROTH 2008).

  

Auswirkungen auf menschliche Gesundheit

Alle Teile der Pflanze, besonders Borke und Früchte, sind für Menschen giftig. Die Giftigkeit wird jedoch unterschiedlich eingeschätzt und unterliegt offenbar auch jahreszeitlichen bzw. standörtlichen Schwankungen. Gefährlich sind vor allem die Samen, die giftige Lectine enthalten. Bereits bei einer Aufnahme von ca. 5 Samen kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen, die sich durch Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit, Temperaturanstieg und Sehstörungen äußern. Andererseits wurde auch schon eine erheblich höhere Anzahl ohne Beschwerden vertragen. Zu Vergiftungen bei Menschen kommt es jedoch selten, weil die Samen kaum gegessen werden.

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