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Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum)

Invasivität

aktualisiert am: 25.02.2019

Einstufung

lokale Bekämpfung, Kontrolle, frühe Tilgung bei Erstbesiedlung

Auswirkungen auf Flora und Fauna

Im Überschwemmungsbereich von Bächen und Flüssen breitet sich die Herkulesstaude durch Verdriftung von Samen mit der fließenden Welle (Hydrochorie) sehr erfolgreich aus. Der zweitbedeutendste (Fern-)Ausbreitungsvektor sind Verkehrswege: Straßenränder, Feldwege und Eisenbahntrassen (Agestochorie, viatische Migration, Universität Gießen: Forschungsprojekt Herkulesstaude). Die Fähigkeit hohe und dichte Vegetationsdecken zu bilden und schneller zu wachsen als die heimischen Pflanzen, gepaart mit einer reichen Samenproduktion und einer robusten Keimung und Jungpflanzenentwicklung ist verantwortlich für die hohe Invasivität der Herkulesstaude. Bereits aus einer Einzelpflanze können Dominanzbestände entstehen. Herkulesstauden verdrängen in der Regel weit verbreitete, nitrophytische Arten wie Brennnessel, Gemeinen Pestwurz oder Wasserdost. Vereinzelt kann die Herkulesstaude auch schutzwürdige Vegetation gefährden, etwa artenreiche Uferstaudensäume im Mittelgebirge. Im Hochsauerland bei Altastenberg gefährdet die Herkulesstaude ein eiszeitliches Reliktvorkommen des stark gefährdeten Alpen-Milchlattichs, Cicerbita alpina. Herkulesstauden erschweren die Etablierung von Gehölzen, in wüchsigen Dominanzbeständen können keine Gehölze aufkommen. Lokal reduziert die Herkulesstaude die biologische Vielfalt in der Landschaft.

Menschliche Gesundheit

Der Riesen-Bärenklau sondert bei Berührung einen Pflanzensaft mit ab, dessen Inhaltsstoffe (Furocumarine) in Verbindung mit ultravioletter Strahlung zu Hautverbrennungen 2. und 3. Grades führen. Etwa 24 Stunden nach der Einwirkung von Pflanzensaft und Licht entstehen Ödeme, d.h. Flüssigkeitsansammlungen, die Brandblasen ähneln. Nach Abheilen ist die betroffene Haut jahrelang dunkel pigmentiert und besonders lichtempfindlich.

Wirtschaftliche Schäden

Wirtschaftliche Auswirkungen entstehen vor allem durch die Notwendigkeit von Bekämpfungsmaßnahmen. Für die Bekämpfung werden in Deutschland über 10 Mio. € pro Jahr ausgegeben (s. Neoflora BfN). Die Behandlungskosten (s. gesundheitliche Auswirkungen) werden auf ca. 1 Mio. € pro Jahr geschätzt. Der Bekämpfungsaufwand kann bei fachgerechter und konsequenter Durchführung zwar über die Jahre reduziert werden, die Kontrolle und Bekämpfung ist aber als Daueraufgabe anzusehen, da aufgrund der globalen Verbreitung immer wieder Samen neu eingeschleppt werden können. Dominanzbestände an Flussufern fördern die Erosion, da der Riesen-Bärenklau den Boden bei Hochwasser in geringerem Maße festhält, als die von ihm verdrängten Pflanzen.

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