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Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinensis)

Syn.: Polygonum sachalinensis F. SCHMIDT, Pleuropterus sachalinensis (F. SCHMIDT) H. GROSS.

Sachalin-Flügelknöterich, Sachalin-Staudenknöterich, Russischer Staudenknöterich

Kurzbeschreibung

angelegt am: 24.03.2010

Aussehen

Beim Sachalin-Flügelknöterich handelt es sich um eine ausdauernde Staude, die 3 bis 4,5 m hohe dichte Bestände ausbildet. Die Stängel sind kräftig, hohl und grün anderes als bei Japan-Knöterich sind sie nicht rotbraun gefleckt. Die Blätter sind meist eiförmig-länglich und weich, in ihrer Form aber insgesamt variabel. Sie laufen in der Regel spitz zu, eine abgesetzte Spitze wie bei beim Japan-Knöterichist selten. Die Blattbasis ist bei ausgewachsenen Blättern deutlich herzförmig, während junge Blätter einen gestutzten Blattgrund aufweisen können. Die Blattunterseite ist in Abhängigkeit des Standortes mehr oder weniger stark behaart, die weißlichen etwa 1 mm langen Haare sind mit bloßem Augen zu erkennen. Zur Unterscheidung von anderen Knöterich-Arten ist die Betrachtung der Maße der größten Blätter einer Pflanze wichtig. Die Blätter an den Hauptsprossen erreichen bis zu 45 cm Länge und 27 cm Breite. Die meisten Blätter einer Pflanze, insbesondere die der Seitenzweige, sind jedoch deutlich kleiner. Der Sachalin-Flügelknöterich ist zweihäusig (diözisch), d. h. männliche und weibliche Blüten werden auf verschiedenen Individuen gebildet. In Deutschland treten Pflanzen beider Geschlechter auf. Die verzweigten Blütenstände werden in den Blattachseln gebildet, die Teilblütenstände der weiblichen Pflanzen hängen bogig über, die männlichen stehen aufrecht. Die Blüten sind aus 5 weißen Blütenblättern (Perigonblättern), 8 Staubblättern und einem Fruchtknoten mit drei fransigen Narben aufgebaut. Die Blüten stehen an den Teilblütenständen zu 4-7, wodurch die Blütenstände insgesamt dichter erscheinen als beim Japan-Knöterich, der weniger Blüten im Knäuel ausbildet. Die äußeren Perigonblätter sind geflügelt. Die reife Frucht ist eine dreikantige, glänzende, 4-5 mm lange Nuss.

Betrachtet man jeweils die größten Blätter der Pflanzen, ist der Sachalin-Knöterich schon aufgrund der größeren, weicheren, anders behaarten und anders geformten Blätter deutlich vom Japanischen Knöterich zu unterscheiden (Vergleich der Blattgrößen und -formen). Problematisch wird allerdings die Abgrenzung durch das Auftreten der Hybride zwischen den beiden Arten, dem Bastard-Knöterich (Fallopia xbohemica). Zur Unterscheidung der drei Sippen siehe die Tabelle dort

 

Lebensraum

Der Sachalin-Knöterich wächst in Mitteleuropa insbesondere an nährstoffreichen und feuchten Standorten. Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt wie beim Japan-Knöterichs an den Ufern der größeren Flüsse, wo er sich im Bereich der Staudenfluren ausbreitet und besonders an unbeschatteten Stellen dichte Dominanzbestände ausbildet. Außerhalb der Fluss- und Bachauen wächst die Art an Waldrändern und in feuchten Gebüschen sowie an Ruderalstellen wie Straßenrändern, Autobahnmittelstreifen, Industriebrachen, Bahndämmen und Böschungen.

 

Biologie

Beim Sachalin-Knöterich handelt es sich um eine sehr schnellwüchsige Art. Trotz der außerordentlichen Größe der Pflanzen liegt der überwiegende Teil der Biomasse unter der Erde in den etwa 2 m tief reichenden Ausläufern (Rhizomen). Hier wird der Hauptteil der Nährstoffe gespeichert. Nach dem ersten Frost im Herbst sterben die oberirdischen Pflanzenteile komplett ab und die Staude überdauert den Winter mit ihrem Rhizom als Geophyt. Sie ist vollkommen winterhart, wenn auch empfindlich gegenüber Spätfrost.

Der Sachalin-Knöterich hat hohe Ansprüche an Wasser- und Nährstoffversorgung, zu große Nässe schädigt auf Dauer die Vitalität der Pflanze genauso wie anhaltende Trockenheit und Beschattung. Seine Ansprüche an Licht sind offensichtlich noch höher als die des Japan-Knöterichs.

Anders als in seiner asiatischen Heimat spielt die generative Ausbreitung (mithilfe von Früchten)  des Sachalin-Knöterichs in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle, obwohl er keimfähige Samen ausbildet. Ein möglicher Grund hierfür ist, dass aufgrund der späten Blütezeit die Früchte nicht regelmäßig ausreifen können. Dies könnte sich allerdings durch eine Verlängerung der Vegetationsperiode aufgrund des Klimawandels ändern. Die Ausbreitung der Art erfolgt bisher aber ganz überwiegend vegetativ über Rhizomstücke, von denen schon kleinste Stücke zu neuen Beständen heranwachsen können. Auch die Basis der Sprosse kann sich leicht bewurzeln.

 

Herkunft und Einwanderungsweg

Der Sachalin-Knöterich hat seine Heimat im südlichen Teil der zu Russland gehörenden Halbinsel Sachalin, auf den ebenfalls russischen südlichen Kurilen sowie den japanischen Inseln Hokkaido und Honshu. Dort wächst er in Hochstaudenfluren in kühlem Monsunklima auf Meereshöhen bis auf etwa 1000 m ü. NN. Die Art wurde 1863 erstmals nach Europa eingeführt und wie der bereits wesentlich früher eingeführte Japanische Knöterich als Zierpflanze verwendet. Darüber hinaus nutzte man den Sachalin-Knöterich als Sichtschutz, Vieh- und Wildfutterpflanze, Deckungs- und Äsungspflanze, Bienenweide und zur Böschungsbefestigung. Bereits wenige Jahre nach seiner Einführung in Europa wurden 1869 Verwilderungen in Deutschland bekannt. Die weitere Ausbreitung erfolgte wie die des Japan-Knöterichs zunächst an Flussufern. Sind die Knöterich-Arten erst einmal dorthin gelangt, werden insbesondere bei Hochwasserereignissen die sehr brüchigen Rhizome freigelegt und kleinere Stücke abgerissen, die mit dem Wasser verdriftet werden, an anderer Stelle anwachsen und neue Bestände bilden. Die Besiedlung eines Flusssystems kann flussabwärts daher sehr schnell erfolgen.

Da die ostasiatischen Knöterich-Arten auch als Gartenpflanze stark wuchern und schnell lästig werden können, erfolgte und erfolgt noch immer eine weitere Ausbreitung durch Ablagerungen von Gartenabfällen in der Natur. So entstehen Vorkommen insbesondere an Waldrändern, auf Brachflächen und an Straßenrändern. Eine weitere Quelle der Vorkommen sind unbewusste Verschleppungen von Rhizomstücken mit Erdmaterial bei Bauarbeiten, z. B. beim Hausbau oder bei der Anlage von Böschungen. Durch diese bewussten und unbewussten Verschleppungen können auch ohne Ausbreitung durch Früchte große Distanzen weitab von Flussufern überwunden werden.

 

Verbreitung in Nordrhein-Westfalen

Heute ist der Sachalin-Knöterich in Nordrhein-Westfalen an den oben beschriebenen Standorten weit verbreitet und lokal häufig, insgesamt aber sehr viel seltener als der Japan-Knöterich (HAEUPLER et al. 2003). Da die Hybride der beiden Arten, Fallopia x bohemica, lange Zeit nicht beachtet wurde, ist davon auszugehen, dass sich viele Meldungen von F. sachalinensis auf F. x bohemica beziehen. Wie bei den anderen Knöterich-Arten ist zu erwarten, dass auch der Sachalin-Knöterich noch häufiger wird, da einerseits etablierte Vorkommen nicht wieder verschwinden und sogar die Sukzession zu Auwäldern verzögern (KOWARIK 2003), andererseits die oben beschriebenen Wege der Neuausbreitung weiterhin bestehen. Darüber hinaus könnte eine klimawandelbedingte Verlängerung der Vegetationsperiode zu einer verstärkten generativen Ausbreitung führen.

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Fruchtstände des Sachalin-Staudenknöterichs, Foto: A. Jagel

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Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinensis), Foto: A. Jagel

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