Neobiota
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Neobiota in Flussauen

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Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)
Foto: C. Michels

In den Flussauen sind Neobiota überdurchschnittlich stark vertreten. Innerhalb des Landes besitzen die größeren Auen außerdem eine besondere Klimagunst. Sie dienen als Hauptverbreitungsachsen und Biotopverbundkorridore für Pflanzen und Tiere.

 

Die neophytischen, großblättrigen und schnellwüchsigen Uferhochstauden Japan-Knöterich, Indisches Springkraut und Herkulesstaude haben sich in den letzten Jahrzehnten massiv entlang der Fließgewässer ausgebreitet. Im August bestimmt der auffällige rosafarbene Blühaspekt des Indischen Springkrautes das Bild vor allem der kleineren Fluss- und Bachauen. Alle drei Neophyten zählen zu den landesweit verbreiteten, invasiven Arten, da sie Dominanzbestände bilden und die heimischen Arten verdrängen.

 

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Neophytische Gefäßpflanzensippen in der Niederrhein-Aue (%) nach Lösch et al. 2007, Schmitz & Lösch 2005, Schmitz 2006

In der von Dynamik geprägten, niedrig bzw. lückig bewachsenen Uferzone des Niederrheins haben sich in den letzten zwanzig Jahren besonders viele gebietsfremde Pflanzenarten angesiedelt. Insgesamt machen Neophyten in der Überflutungsaue des Niederrheins inzwischen knapp 20% des Artenbestandes aus. Im Gegensatz zu den voran genannten invasiven sind die neuen Arten hier eher als Bereicherung denn als Gefährdung der Biodiversität anzusehen, da sie in einem konkurrenzarmen Lebensraum neue Nischen besiedeln.

 

Erst seit einigen Jahren  richtet sich der Fokus invasionsbiologischer Arbeiten zunehmend auf die Unterwasser-Lebewelt. Ein beispielloser Niedergang der biologischen Vielfalt durch Wasserverschmutzung, die ihren Höhepunkt und Wendepunkt in der Sandoz-Katastrophe 1982 fand, ist aus dem Rhein dokumentiert. Die Anstrengungen zur Verbesserung der Wasserqualität ließen in den 1980er und 90er Jahren die Artenzahlen des Makrozoobenthos (=Kleinlebewesen des Gewässerbodens) wieder ansteigen, allerdings mit sehr hohem Neozoenanteil.

 

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Aus: Nehring, S. 2003; Anzahl heimischer und gebietsfremder Arten des Makrozoobenthos im Rhein und Sauerstoffgehalt als Indikator für die organische Verschmutzung des Rheinwassers

Die Tiere fremder Wassereinzugsgebiete werden vornehmlich durch die Schifffahrt eingeschleppt, als blinde Passagiere am Schiffsrumpf oder durch Ballastwasser. Vor allem nach Fertigstellung des Rhein-Main-Donaukanals nahm die Zahl der ponto-kaspischen Arten im Rhein stark zu. Einige der dominanten Fremdlinge prägen ihren neuen Lebensraum so, dass sie ko-adaptierten Arten der alten Heimat die passenden Strukturen im neuen Lebensraum erst anbieten. So lebt beispielsweise die lichtscheue Donauassel, Jaera istri, im Lückensystem der Wohnröhren des sessil lebenden Süßwasser-Röhrenkrebses, Corophium curvispinum. Viele heimische Höckerflohkrebse und Muscheln sind während der Einwanderungswellen verschiedener Neozoen verschwunden und die Zahl der heimischen Rückkehrer aus den Nebenflüssen und Oberläufen ist insgesamt vergleichsweise niedrig geblieben. Der Artenbestand des Makrozoobenthos im mittleren Rhein bestand zu Ende des Jahrtausends zu 18% aus Neozoen, dabei können die Neozoen bis zu 80% der Individuen ausmachen.

 

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Aus: Baur & Schmidtlin 2007; Kumulative Zunahme der Neozoen-Taxa im Rhein. Die Säulen umfassen jeweils 20 Jahre, die letzte nur 15 Jahre.

Nach 2000 hat sich die Zunahme von Neozoen weiter beschleunigt (Baur & Schmidtlin 2007).

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